10.04.08 Eines will ich gleich vorweg nehmen: Das war eine wunderschöne, lehrreiche und teilweise auch aufregende Reise.
Tag 1: Wir fuhren am Dienstag vor Ostern morgens in Baden-Baden ab. Wir - das waren mein Opa, meine Mama, mein Freund Nils und ich. Am Tag vorher hatten wir Big Blue gerüstet, wir brauchten nur noch einsteigen und losfahren.
Nachdem uns eine Woche vorher der Reisebus in Milano geklaut wurde, waren wir uns einig: wir übernachten ausschließlich auf bewachten und bezahlten Campingplätzen, alle Wertgegenstände bleiben am Mann bzw. Frau und Opa meinte, er würde Big Blue nicht eine Sekunde aus den Augen lassen...
So fuhren wir auf der A5 bis Basel. Dort erledigten wir die Formalitäten der Schwerlastabgabe. Dann gings durch die Schweiz, staufrei über den Gotthard, westlich an Mailand vorbei, bis Parma, dann westlich nach La Spezia. Zwischen La Spezia und Viareggio wollten wir übernachten. 40 km führt die Strasse am Strand entlang, auf der Karte ist ein Campingplatz nach dem anderen eingezeichnet. Das erschien uns ideal...
Doch rasch kam die Ernüchterung - keiner der Campingplätze war offen! Wir fragten noch an einer Pizzeria, der nette Wirt schickte und wild gestikulierend in Richtung Club Golfo. Doch als wir seiner Beschreibung folgten, fanden wir - nichts. Wir fragten noch einmal an einer Tankstelle - Club Golfo, si si. Auch diese Beschreibung führte uns nicht ans Ziel. Wir fuhren zwischenzeitlich im Villenviertel rum, alles eng und schmal, aber mit schöner Aussicht von oben in die Parks und Gärten. An einem Café fragten wir noch einmal - direkt nach dem Kreisverkehr müsste es auf der rechten Seite sein. Tja, das konnten wir nicht sehen - denn es war natürlich zu. Alles dunkel in einem Waldstück.
Jetzt blieb nur eines: Wir waren auf unserer Suche in dem Gebiet schon mehrfach an einem großen beleuchteten Parkplatz vorbei gekommen. Den steuerten wir nun an. Es war ein Busparkplatz vor einem Schulbusdepot, asphaltiert, hell erleuchtet und vollkommen leer. Wir stellten uns an die Seite, machten die Schotten dicht und aßen erstmal zu Abend. Mit gemischten Gefühlen krochen wir in die Kojen. Vor allem Nils und ich waren aufgeregt und wollten jeden Einbrecher in die Flucht schlagen.
Tag 2: Nach einer unruhigen Nacht waren wir beim ersten Morgengrauen alle wach. Alles ist gut gegangen, niemand hat uns behelligt. Nach einem ausgiebigen Frühstück machten wir uns auf den Weg in Richtung Lucca. Dort fanden wir nach einiger Zeit einen großen Parkplatz, wo wir kostenlos Big Blue abstellen konnten. Opa blieb beim Auto, denn er hat Lucca schon mehrfach besichtigt. Wir nahmen die Fahrräder und machten uns auf Erkundungstour. Das war ein gute Idee, denn so haben wir recht mühelos ganz Lucca incl. Stadtmauer abgeradelt. Das hätten wir zu Fuß nie geschafft. Bei der Tourist-Info erkundigten wir uns nach einem Campingplatz in Richtung Pisa, unserem nächsten Ziel. Wir erhielten die Adresse und der Platz war offen. Also auf nach Pisa. Das Navi - nicht ahnend, dass wir LKW-Ausmasse haben - führte uns natürlich durch den dicksten Verkehr in der Innenstadt, direkt am Torre Pendente, dem Schiefen Turm vorbei. Auf dem Campingplatz checkten wir ein, und konnten uns ein Plätzchen aussuchen. Stromanschluss war vorhanden, wir bunkerten Wasser und konnten das "WC Kimik" leeren - prima. Duschen und Toiletten waren piksauber. Da es mitten am Nachmittag war, beschlossen wir, unsere Räder zu nehmen und zum Schiefen Turm zu radeln. Der war fast in Sichtweite. Dort konnten wir noch eine Führung für 18.00 Uhr ergattern. Wir schauten uns den Domo und das ganze Gelände drum herum an, dann gings die Wendeltreppen rauf.
Das ist schon ein komisches Gefühl, wenn man Treppen steigt und eigentlich nur ganz wenig an Höhe gewinnt und auf der anderen Seite die gleichen Stufen so steil wirken, dass man kaum noch hoch kommt. Von oben hat man einen grandiosen Ausblick - das hat sich gelohnt!
Anschließend haben wir auf dem Campingplatz noch eine Pizza gegessen, dann sind wir ziemlich bald in die Falle gekrochen.
Tag 3: Nach dem Frühstück haben wir alles zusammengepackt und weiter gings. Rignano dall Arno stand als Ziel im Navi - der Sitz des BETA-Werkes bei Florenz. Wir nahmen die Landstraße, wollten was von der Gegend sehen. Toskana, schöne Landhäuser, Säulenzypressen und Schirmpinien, das sind die typischen Merkmale, die jeder vor seinem geistigen Auge sieht, wenn er an einen Toskana-Besuch zurück denkt... Um Florenz war ein riesiger Stau aufgrund einer Großbaustelle, aber auch den haben wir überwunden.
Am BETA-Werk wären wir fast vorbei gefahren, wenn ich nicht zufällig eine Sektion unten im Hof entdeckt hätte. Danach sahen wir dann auch ein Firmenschild: 10 x 10 cm groß mit Beta-Logo am Torpfosten. Also fuhren wir rein, wir hatten eine Skizze vorher erhalten, wo wir Big Blue abstellen konnten...
Alessia war sehr, sehr freundlich zu uns. Sie hat uns schon erwartet und kam uns entgegen, als wir ausgestiegen sind. Dann führte sie uns durch die "Heiligen Hallen" und erklärte uns alles. Das war sehr beeindruckend. Ich kam aus dem Staunen kaum heraus. So viele Betas, Trialer, Enduros und Roller. Auch die Roller fand ich total cool. Und jedes Fahrzeug wird auf Funktion geprüft, bevor es in den Versandbereich kommt. Irgendwie hatte ich mir das Werk viel größer vorgestellt. Aber Größe ist ja bekanntlich nicht alles. Jetzt weiß ich, wo meine "Mädels" herkommen, habe die Beta-Mitarbeiter gesehen, die alles zusammenschrauben, wie die Betas in die Kisten kommen und wie sie auf den Lastwagen verladen werden. Auch ein Foto durften wir machen - voll cool! Dieser Besuch war den Umweg wert. Herzlichst wurden wir verabschiedet und machten uns weiter auf den Weg nach Süden.
Über Arezzo und Orvieto führte uns die Route auf kleinen und kleinsten Sträßchen nach Saturnia. Kennt Ihr nicht? Macht nichts, ich erzähls Euch! Saturnia ist ein kleines Dörfchen, wie ein Vogelnest auf den Gipfel des Hügels geklebt. Und unterhalb sprudelt 37 Grad warmes Thermalwasser über einen Wasserfall, der aus vielen kleinen und großen Sinterbecken entstanden ist. Baden kann man dort völlig kostenlos. Ganz in der Nähe ein WoMo-Stellplatz. Für 12 Euro kann man dort 24 Std. stehen, incl. Stromanschluss, Toiletten etc. Die Besitzer sind sehr freundlich und haben einen Shuttle-Bus zur Badestelle. Wir nächtigten ruhig und mit allem Komfort.
4. Tag: Karfreitagmorgen, 8.00 Uhr. Das Frühstück hatten wir schon hinter uns, "Banana Billi Bong", so nannten wir den Platzhund, spielte mit uns und die Sonne schien. Auf den Shuttlebus wollten wir nicht warten, also nahmen wir wieder die Fahrräder. In den Wasserbecken waren wir fast alleine, plantschten ausgiebig und ließen uns das warme Thermalwasser auf den Rücken prasseln. Herrlich! Das hätte endlos so weiter gehen können. Aber wir mussten uns nach 2 Stunden dann doch wieder loseisen - außerdem wurde es nach und nach unsagbar voll. Wie gut, dass wir so früh aufgestanden sind. Und es bedeckte sich. Das bis dahin schöne Wetter schien sich zu verabschieden. Wir fuhren wieder in Richtung Osten, zur Autobahn, damit wir Rom östlich passieren konnten. Der Golfo di Napoli war unser Ziel, genauer gesagt, Pompei. Mama hatte schon Infos über einen Campingplatz in der Nähe der Ausgrabungsstätte, den steuerten wir an.
Abfahrt Pompei Ovest, dann links, 200 m, Camping Spartacus. "Oh mei, is der groß", sagte die freundliche Dame, als Big Blue für Verdunkelung sorgte in ihrem Häuschen. Dann waren alle sehr bemüht, einen Platz für den Big zu finden. Rückwärts reingefahren, alles paletti. Der Pizzaofen gleich nebenan war schon angefeuert - und wir haben eine köstliche Pizza genossen.
5. Tag: Schon in der Nacht hat es uns fast weggeblasen. Es stürmte und der Regen peitschte quer über den Platz. So hatten wir uns das nicht vorgestellt. Und bei diesem Wetter hatten wir keine Lust, Pompei zu besichtigen oder gar auf den Vesuv zu steigen! Also beschlossen wir, aufzubrechen und noch bis nach Mirto/Kalabrien zu fahren. Dort sollte das Wetter besser sein über Ostern, und für Dienstag/Mittwoch der folgenden Woche war wieder besseres Wetter im Golf von Napoli angekündigt. Wir reservierten unseren Platz für Dienstag Abend und fuhren los.
Zunächst führte uns unser Weg über Salerno nach Paestum. Dort stehen 3 riesengroße griechische Tempel, noch gut erhalten, in einer großen Stadtmauer und umgeben von römischen Siedlungsresten. Das wollten wir besichtigen, das Thema Griechenland nehmen wir gerade in Geschichte durch.
Wir schauten uns alles ausführlich an. Schon beeindruckend, wie die Menschen vor 2.500 bis 3.000 Jahren es geschafft haben, übers Meer von Griechenland auszuwandern, und im heutigen Italien nicht nur ein neues Leben anzufangen, sondern solche beeindruckenden Bauwerke wie die Tempel zu erbauen. Wahnsinn!
Von Paestum aus sind wir über Sapri (noch mal kurz den Fuß ins Meer gestreckt - brrrh, kalt!) und Lagonegro nach Mirto am Ionischen Meer gefahren. Bei den Freunden meines Opas wurden wir herzlich empfangen. Big Blue wurde in einem Hof geparkt. Das Hoftor war so schmal, dass Mama die Spiegel eingeklappt wurden. Dann schob sich der Alkoven in einen Zitronenbaum, damit hinten das Tor wieder zugemacht werden konnte. Danach erhielten die Zitronen wieder etwas Entlastung.
Wir wollten eigentlich im Big schlafen, keine Frage. Wir hatten ja alles. Aber da hatten wir nicht mit Teresine gerechnet. Die wollte mit Opa kein Wort mehr sprechen, wenn wir nicht die von ihr schon gerichteten Zimmer benutzen würden. Also packten wir unser Zeug zusammen und zogen ins Haus. Für die nächsten Tage bestimmten unsere Gastgeber unseren Tagesablauf. Zunächst wurde erzählt und erzählt. Viele Leute aus Mirto haben in Sinzheim bei Baden-Baden gewohnt, Nils wohnt auch in Sinzheim - für ausreichend Gesprächsstoff war also gesorgt. Und wir mussten essen, essen, essen. Teresine hatte alles eingekauft, von dem sie dachte, sie könnte uns eine Freude machen. Spätabends gingen wir ins Bett und schliefen wie die Murmeltiere.
6. Tag: Ostersonntag - schönstes Wetter. Aber die Erwachsenen sagten alle, es sei kalt. Für mich heißt wolkenloser blauer Himmel und Meer aber nur eines: nämlich Badengehen! Doch zunächst wurde das Ostermenü in der kalabresischen Großfamilie zum Erlebnis. Was es da alles an verschiedenen Speisen gab! Und es war laut, sehr laut. Jeder redete wie ein Maschinengewehr, und immer wieder wurde uns etwas vor die Nase gehalten: Muschte probiere! Vieles hat ungewohnt geschmeckt, vieles war lecker! Und anschließend wollten wir Badengehen! Das führte zu ungläubigem Kopfschütteln bei unseren Gastgebern - aber Natale fuhr mit uns an den Strand. Herrlich - und kalt. Oben in den Bergen hat es in der Nacht frisch geschneit, alles war weiß gezuckert. Von zu Hause erhielten wir per MMS Fotos vom Schneechaos - aber wir badeten. Mama natürlich nicht. Und Opa schon gar nicht. Aber Nils und ich waren nicht zu halten. Wir plantschten in den Wellen herum wie die Wilden. Zuerst war es schon ungemütlich, aber wir bewegten uns und hechteten von Welle zu Welle. So war die Temperatur erträglich. Aber die Einheimischen staunten nur, hielten an, fotografierten die zwei Wagemutigen in roten Badehosen, während sie sich den Kragen ihrer Wintermäntel und -jacken hochzogen, um sich gegen den Wind zu schützen.
Viel zu schnell verging die Zeit und Mama rief uns raus - beim Umziehen merkten wir dann schon, wie kühl der Wind war. Also schnell raus aus den Badehosen und rein in den kuscheligen Fleeceanzug und dann ins warme Auto! So haben wir dieses Abenteuer ohne gesundheitliche Beeinträchtigungen überstanden.
7. Tag: Ostermontag - in der Nacht hat es geschüttet und gestürmt. Das sah nicht gut aus für unser Badevorhaben. Nach einem 7-Gang-Menu am Mittag, von dem wir nur 3 schafften, weil wir dann alle schon pappsatt waren, machten wir noch einen kurzen Spaziergang. Es war richtig stürmisch, bewölkt und es war niemand mehr an den Strand zu bewegen.
8. Tag: Am Morgen waren wir mit Natale noch im Garten. Riesenzitronen, Mandarinen und Orangen hingen an den Bäumen, wir durften ganz viele davon mitnehmen. Lecker! Mama war noch einkaufen und hat Butinis (kalabresische Spezialität) und Büffelmozarella abgeholt. Und wir haben endlich das Olivenholz einladen können, weshalb Opa ja eigentlich nach Italien fahren wollte. Teresine ließ uns nicht ohne Mittagessen losfahren - Spaghetti mit Tomatensoße! Leckerlecker!
Mama bugsierte den Big Blue wieder rückwärts aus der schmalen Einfahrt, noch einmal die Hupe gedrückt und gewinkt, dann gings los. Wir beschlossen nun, da es schon relativ spät war, nicht mehr nach Alberobello und Matera zu fahren, wo wir noch die Trullibauten und die Höhlenwohnungen anschauen wollten. Wir nahmen die Autostrada und steuerten wieder über Lagonegro nach Pompei zurück. Bei Lagonegro liegt die Autobahn sehr weit oben im Gebirge, wir waren über der Schneefallgrenze, alles weiß ringsum. Aber die Fahrbahn war frei. Doch aufgrund einer Baustelle kamen wir in einen Riesenstau. So kamen wir erst um 20.00 Uhr in Pompei an - unser Stellplatz war frei und wir hatten eine ruhige Nacht.
9. Tag: Naja, so ganz hasenrein wars Wetter nicht am Morgen. Und während wir frühstückten, zogen die ersten Wolken heran und gleich drauf fing es an zu regnen. Nur leicht, ein bißchen. Aber wir ließen uns nicht davon abhalten, die Ausgrabungsstätten zu besichtigen. Es ist ganz schön anstrengend, über die unebenen Wege und Straßen zu gehen. Jeder Schritt will wohl überlegt sein, damit man nicht umknickt oder gar stürzt. Aber es ist interessant und fast nicht vorstellbar, wie sich die Wagenräder vor rund 2000 Jahren in das Straßenpflaster reingefressen haben und heute noch sichtbar sind. Gehwege und Zebrastreifen hatten die alten Römer damals schon. Und an jeder Straßenecke einen Imbissstand. Kein Witz, man ging damals zum Essen ausser Haus und in den Tavernen wurden die Speisen in Tonkrügen aufbewahrt, die in die Ladentheke eingelassen waren. Und wunderschöne Innenhöfe hatten die damals gebaut, richtig prunkvoll. Zum Teil sieht man noch die Bemalung und die Verzierungen. Und man sieht die Gipsabdrücke der Menschen, die damals mitten in der Bewegung gestorben sind. Und alles war in kurzer Zeit durch den Ausbruch des Vesuvs mit Asche und Lava bedeckt.
Als wir am frühen Nachmittag durch das ganze Areal durch waren, holten wir uns gleich noch die Fahrkarten für den Bus, weil wir nachmittags auf den Vesuv fahren wollten. Dann aßen wir - was wohl - natürlich Pizza... Wir sagten Opa noch kurz Bescheid und dann gingen wir zur Bushaltestelle. Dort standen wir und standen und standen, über eine Stunde lang, doch der angekündigte Bus kam nicht. Da standen wohl zu wenig Leute und das Wetter war wirklich schlecht. So hatten wir einen "freien" Nachmittag, den wir dazu nutzten, mit unserem freiwilligen Referat für Geschichte zum Thema Paestum und Pompei zu beginnen.
10. Tag: Wir standen früh auf, packten nach dem Frühstück alles zusammen und machten uns auf den Weg. Wir wollten zum Vesuv, aber nicht mehr mit dem Bus, sondern mit Big Blue. Das Wetter war nicht wirklich gut, aber der Kraterrand war frei und gut zu sehen. Doch wir steckten im alltäglichen Verkehrswahnsinn der Region Napoli fest. Gut, wir hätten auf die Autostrada fahren können - aber wegen 2 Stationen? Also per Stopp und Go, vorbei an doppelreihig parkenden, wild hupenden, drängelnden und ungeduldigen Fahrern. Da heißt es Nerven behalten. Und nicht zimperlich sein. Einfach auch drängeln - und dank der Größe geben dann auch die wildesten Fiat-Fahrer irgendwann nach und lassen einen rein in die Schlange... So fuhren wir bis Torre Grecco. Alles ist dort gammelig und dreckig und stinkt. Müllberge überall, marode Häuser und Fassaden, alte zerbeulte Autos. Und dabei wäre es eine schöne Kulisse, wenn man alles ein bißchen richten würde. So waren wir froh, als wir endlich auf das Vesuv-Sträßchen abbiegen konnten. In engen Kehren und Serpentinen windet es sich stetig bergauf, vorbei am Observatorium und div. alten und neueren Lavaströmen. Irgendwann war dann Endstation. Wir wurden angewiesen, auf dem großen Platz zu drehen und uns dann in die Reihe der Omnibusse zu stellen. Also 2 Busse waren noch da oben außer uns. Und eine Handvoll PKWs. Nicht auszudenken, wie das bei schönem Wetter zugeht. Die letzten 300 Höhenmeter muss man zu Fuß zurück legen. Es geht steil in Serpentinen bergauf, der Regen kam waagerecht und trotz Regenjacken waren wir klitschnaß bis auf die Knochen, unter der Jacke schwitzten wir und die Hosen wurden sowieso naß... Außerdem war es nicht nur Regen, sondern Schneeregen, der uns vom Wind scharf ins Gesicht geblasen wurde. So stapften wir Schritt für Schritt bergauf. Am Kraterrand angekommen, verzogen sich die Wolken ein wenig und wir konnten alles gut sehen. Aus den Fumarolen stieg Wasserdampf auf und auch der Blick auf den Golf von Neapel war möglich. Wie schön muss das alles aussehen bei gutem Wetter! Wir sind bis auf die andere Seite des Kraters gegangen, haben uns ausgiebig alles angesehen und machten uns dann wieder an den Abstieg. Am Big Blue angekommen, haben wir uns schnell die nassen Klamotten ausgezogen und waren froh, dass wir eine gut funktionierende Heizung hatten. Nach einem kleinen Imbiss waren wir wieder einsatzfähig und machten uns auf den Weg gen Norden, mitten hinein in die Abbruzzen. Wir steuerten auf L'Aquila zu, aber diese mittelalterliche Stadt erreichten wir an diesem Tag natürlich nicht mehr. Wir mussten zum 2. Mal wild campen, denn in dieser Gegend waren die Gehwege förmlich hochgeklappt. Es schneite, alles war weiß, kein Mensch ausser Haus, wenn er nicht musste. Wir fanden einen Stellplatz in einem kleinen Dorf, am Ende einer engen Sackgasse, wo die Balkone den Alkoven zu berühren schienen. Oben, am Ende des Gässchens, war ein großer Parkplatz vor einem Fußballfeld, Wohnhäuser standen ringsum, beleuchtet war der Platz und ein Hund bellte vehement. Der würde sicher auch bellen, wenn sich jemand unserem Big nähern würde... Wir schliefen tief und fest...
11. Tag: Nach einem ausgiebigen Frühstück visierten wir L'Aquila an. Dort war ein wirres Verkehrsknäuel rund um den Berg, auf dem die Altstadt thront. Kein Parkplatz, noch nicht mal für einen Gogo, war in Sicht. Wir fragten noch einen Polizisten, der beschrieb uns den Weg zum WoMo-Parkplatz, aber dort war jeder Parkversuch zum Scheitern verurteilt, weil die kleinen Flitzer die Einfahrt zugeparkt hatten. Keine Chance. Wir drehten noch eine Runde, dann beschlossen wir, das Gebirge in Richtung Adria zu verlassen. Am Meer war dann auch das Wetter besser - traumhafte Ausblicke, endlose noch leere Strände bis Rimini. Aber zum Baden war es zu kalt und außerdem hatten wir noch einen weiten Weg vor uns. In Ravenna machten wir eine kurze Pause und schauten auf die Karte um festzulegen, wo wir die Nacht verbringen wollten. Der Gardasee erschien uns erreichbar - und von dort könnten wir am nächsten Tag locker heimkommen.
Also auf die Autobahn und über Bologna bis Modena und dann nach Verona zu fahren. Die Po-Ebene sieht überall irgendwie gleich aus und ich fand sie besonders langweilig. Am Gardasee kamen wir bei Einbruch der Dunkelheit an. Wir fanden in Sirmione einen Campingplatz direkt am See. Wir aßen im Restaurant noch eine Abschlußpizza, saßen noch ein Weilchen am Seeufer und blickten auf die vielen Lichter ringsum. Dann krochen wir zum letzten Mal auf dieser Reise in den Alkoven.
12. Tag. Nach dem Frühstück wollten wir unbedingt nochmal an den See. Das Wetter war schön, aber ganz diesig. Man wäre nicht auf die Idee gekommen, dass ringsum hohe Berge zu sehen sind, wenn man es nicht schon gewußt hätte ;-)
Über Lecco fuhren wir nach Como und von dort nach Chiasso, um wieder durch die Schweiz und den Gotthardtunnel nach Hause zu fahren. Um halb Acht abends legten wir noch einen Stopp in Herbolzheim ein, um zu prüfen, ob ein Clublauf am nächsten Tag auch möglich sein würde. Und entgegen all unserer Befürchtungen schien das Gelände griffig und gut befahrbar.
Also fuhren wir nach Baden-Baden, haben alles aus- und mein Motorrad wieder eingeladen. Dann sind wir total müde ins Bett gefallen und am Sonntag morgen zum Clublauf nach Herbolzheim gefahren...
Wir haben viel gesehen auf dieser Reise, vieles hat mich beeindruckt, und manches wird mir erst später bewußt werden. Ein Höhepunkt für mich war sicher der Empfang im BETA-Werk und der Vesuv, Pompei und Paestum. Aber auch die vielen kleinen Dinge am Wegesrand werde ich nicht vergessen, ein paar Hundebabies, mit denen ich gespielt habe, die neugeborenen Kätzchen in Mirto, die Riesenzitronen, die so lecker schmecken, die verschneiten Berge, die man fast von jedem Punkt in Italien aus sehen konnte...
Ich würde gerne wieder so eine Rundreise machen. Das ist spannend und abwechslungsreich und auch ein bißchen Abenteuer, weil man nie so genau weiß, wie der Tag ablaufen und wo er enden wird. Und ein paar Brocken italienisch habe ich gelernt, vor allem die Sprachmelodie gefällt mir sehr gut. Bona Sera!
Euer Kevin / 10.04.08
Letztes Update:
17.07.2009 21:00