Training 2005 in den franz. Seealpen

Liebe Freunde,

wie versprochen, will ich Euch hier von unserem Trialurlaub in Südfrankreich berichten. Eines vorweg: Schade, dass es so schnell vorbei ging. Es war einfach toll!!!

Bei strahlendem Sonnenschein und wolkenlosem azurblauen Himmel starteten wir gen Süden. Diese Wettersituation blieb uns - bis auf eine Gewitternacht und einen "durchwachsenen" Tag die ganzen zweieinhalb Wochen erhalten. Die Daheimgebliebenen hatten wohl nicht ein solches Glück...

Unser Ziel hieß Senez. Von diesem Nest hatten wir vorher nicht viel gehört. Aber wir hatten die Info gefunden, dass es dort ein Trialgelände geben soll. Unser Weg führte uns immer südwärts, via Basel, Bern, Genf, Grenoble, Col de la Croix und Sisteron nach Digne. Von dort aus waren es noch wenige Kilometer auf der Route Napoleon in Richtung Cannes. Gott sei Dank gab es auf der Homepage des Espace Loisirs Boade den Hinweis, dass man nicht in den Ort Senez reinfahren muß - aber über die schmale alte Brücke wären wir mit unserem Gespann auch nicht drüber gekommen...!

Auf dem Campingplatz, der zum Gelände gehört, war nicht viel los. So konnten wir in aller Ruhe den für uns passenden Platz aussuchen. Wasser und Strom war vorhanden, Dusche und WC auch. Ich selbst habe ja nicht so den ungebremsten Drang, mich beim Aufbau des Wohnwagens und des Vorzeltes eigenhändig zu betätigen. Also schickten mich meine Eltern gleich ins Schwimmbad, damit ich ihnen aus dem Weg war. Das ließ ich mir natürlich nicht zweimal sagen... Nach der langen Fahrt war das genau die richtige Abwechslung für mich!

Am nächsten Morgen konnten wir es dann kaum erwarten, die erste Erkundungstour im Gelände zu starten. Nach einem ausgiebigen Frühstück haben wir uns erkundigt, wo wir fahren können - überall, hieß es, wo wir wollen... So fuhren wir los, ich voraus, Mama hinterher. Zuerst ging es an einer Motocross-Strecke vorbei, durch den "Anfänger-Wald", dann ein Slalomwegchen bis zum Schotterweg, der ins eigentliche Gelände führt. Nach wenigen Metern die erste Wasserdurchfahrt, der Weg wird holpriger, dann das "Wäldele". Hier haben wir ein bißchen trainiert. Danach folgten wir dem Weg nach rechts, über ein Geröllfeld. Dort wieder ein bißchen Training, die Aussicht genießen, orientieren. Wir folgten dem Weg immer weiter, immer aufwärts. Wieder ein Geröllfeld. Hier fuhr Mama immer auf dem Weg außen rum, ich oben drüber. Nach ein paar weiteren Kehren kamen wir zum "Steingarten". Ein Plateau, unterteilt in mehrere Terrassen, grasbewachsen, mit einzelnen Steinen in allen Größen und Kombinationen übersät. Ein idealer Trainingsplatz. Und dazu eine wunderbare Aussicht. Hier tobten wir uns mal ein bißchen aus. Von hier führten zwei Wege weiter - einer mit grünem und einer mit blauem Pfeil. Der grüne Weg sah abenteuerlich und steil aus - also nahmen wir den blauen. Doch nach wenigen Metern war Schluß - nicht dass ich nicht weitergefahren wäre, aber Mama hat gestreikt. Wir waren in der "Mondschlucht" angekommen, eine steile Geröllhalde mit Auswaschungen drin, die man hätte überqueren müssen. Ich war ja schon drüben, aber Mama wollte partout nicht, dass ich ihr Moped rüberfahre...

So kehrten wir erstmal zum Basislager zurück, um nachzutanken und was zu essen. Danach machten wir uns wieder auf die Socken, äh Räder... Diesmal hielten wir uns links, da ging es steil aufwärts auf einen "Gipfel". Von dort konnte man bis auf den Campingplatz runterschauen. Wir erkundeten auch diesen Teil des Gelände etwas näher und kamen bis zum "Trial-Eck". Also, die ganzen Namen, die sind nichts Offizielles, die haben wir nur den einzelnen Plätzen gegeben, damit wir wußten, von was wir reden... Abends waren wir ganz schön kaputt. Papa checkte gleich die beiden Mopeds und machte wieder alles startklar. Noch ein kurzer Sprung ins Schwimmbad, danach Essen und anschließend war ich mit dem Monty unterwegs... Aber es wurde nicht sehr spät, weil ich hundemüde war.

Am nächsten Morgen sah es etwas ungemütlich aus. In der Nacht hatte es leicht geregnet, und auch am frühen Morgen fielen noch ein paar Tropfen aus den tiefhängenden Wolken. Aber wir wollten sowieso zum Einkaufen in den nächsten Supermarkt fahren. Mit langen Hosen und Sweatshirt machten wir uns auf den Weg nach Castellane. Aber wir waren noch nicht dort angekommen, da blinzelte schon wieder die Sonne durch die Wolken. Als wir aus dem Supermarkt rauskamen, strahlte sie wieder vom azurblauen Himmel, als wäre nichts gewesen. Entsprechend warm wurde es uns...

Am Nachmittag machten wir uns gleich wieder auf die Socken. Eine Ecke nach der anderen wollte erkundet werden, da noch ein Wegchen, das wir noch nicht gefahren waren, wo geht's denn da hin? Kommen wir da hoch?? Ich war ganz schön erstaunt, was Mama alles mitmachte. Ich fuhr immer voraus, erzählte ihr dann, was kam, ging meistens davon aus, dass es zu schwierig für sie wird, und dann sagte sie immer: Schauen wir mal...! Und schon waren wir am nächsten Eck...

Am Mittwoch wollten wir ein Stück südlich nach Andon fahren. Mama hatte die Info, dass es dort auch ein Trialgelände gibt. Das wollten wir mal näher erkunden. Also fuhren wir mit dem Auto, ohne Mopeds, gemütlich nach Castellane und weiter nach Andon. Das liegt etwas abseits der Route Napoleon und ist ein ausgewiesenes Wintersporteck. Wir waren sehr erstaunt, denn so weit südlich hätten wir weder so hohe Berge noch Skilifte etc. erwartet. Von diesem Trialgelände war weit und breit nichts zu sehen, also fuhren wir wieder zurück. Für den Rest des Tages war Schwimmen und Ausruhen und Lesen angesagt...

Doch am Donnerstag ging es wieder ins Gelände! Wir hatten noch lange nicht alles gesehen! Und es macht einfach riesig Spaß, bei solch tollem Wetter in einer solchen Kulisse rumzufahren. Über einen ganz schmalen Waldweg fuhren wir immer weiter aufwärts, bis wir auf einen "Gipfel" kamen. Aber danach ging es nicht weiter, jedenfalls nicht für Mama.

 

 

So kehrten wir um und fuhren den steilen Weg wieder zurück. Als wir zur Mittagspause ins Basislager zurückkamen, trauten wir unseren Augen nicht! Da stand vis-à-vis von uns ein Wohnwagen und ein silberfarbener Transporter, da tummelten sich 4 Leute, die kannten wir doch!!! Ich fiel fast vom Moped, so platt war ich! Das waren meine Freunde Tobi und Patrick!! Jetzt war der Urlaub perfekt! Das war das i-Tüpfelchen! Ich war völlig aus dem Häuschen...!

Zuerst tobten wir einmal im Schwimmbad rum. Am Abend dann machten wir zu fünft eine Erkundungstour. Wir zeigten den Dreien, wo wir bislang schon waren...

Jetzt erweiterte sich unser Aktionsradius natürlich. Bernd fuhr Mama am ersten Tag das Moped über 3 Stellen, wo sie sich nicht traute. Umkehren mußten wir somit nirgends mehr. Und Canyons rauf und wieder runter, steil, mit Steinen, eng, Wanderpfade mit Waldboden, Schotterpisten, und immer wieder Sektionen... Es machte mir viel Spaß und ich war nur am Staunen, wo Mama dann überall selbst rauf und runter kam, wenn auch teilweise mit "fußeln"...

Abends, als wir noch mal aufbrechen wollten, ging Bernds Getriebe kaputt. Er konnte nicht mehr schalten und baute das Ding auseinander. So fuhren Tobi, Patrick, Mama und ich alleine los. An den schon bekannten Stellen machten wir Sektionstraining. Am nächsten Morgen nach dem Frühstück - Bernds Maschine war immer noch zerlegt - machten wir uns wieder zu Viert auf den Weg. Wir erkundeten mal die rechte Seite des Geländes. Als Bernds Motorrad wieder flott war, zeigten wir ihm die Neuentdeckungen. Und natürlich wurde unser Radius unter seiner Führung wieder tagtäglich größer.

Sonntags haben wir einen Ausflug an den Lac de Serre-Poncon gemacht. Dort campierte Dieter übers Wochenende, der vom Baden im See geschwärmt hatte. Die Fahrerei dorthin war ewig langweilig, das Wasser im See recht kühl. Aber das konnte mich nicht davon abhalten, ausgiebig zu plantschen, zu schwimmen und von der Badeplattform zu hopsen. Als wir dann noch eine Runde im Motorschlauchboot mitfahren durften, fühlten wir uns wie die Kings. Zurück fuhren wir über den Col d'Allos. Das war meine erste "richtige" Paßüberquerung. 2.250 Meter war ich hoch, so hoch bzw. höher war ich bislang nur im Flugzeug. Ich fuhr bei Husers mit und wir nervten dort so lange und so viel, dass ich fortan immer bei uns mitfahren mußte, damit das aufhört.

Nach weiteren Trialtagen machten wir eine Tour ans Meer. Wir fuhren ohne Frühstück los - über Grasse nach Cannes. Das sieht auf der Landkarte ganz kurz aus, aber wir fuhren eineinhalb Stunden ununterbrochen, bis wir am Strand waren. Dort packten wir das Frühstück aus und wir hopsten noch kurz ins Wasser. Dann fuhren wir weiter, weil wir noch nach Monaco wollten. Doch Fahren konnte man das nicht nennen. Es war nur Stop und Go, Bremsen, ein Stück fahren, stehen. Wir bogen dann auf die Autobahn ab, sonst hätten wir an diesem Tag Monaco nicht mehr erreicht. Doch schon die Abfahrt von der Autobahn bis nach Monaco bot wieder das gleiche Bild. Stau, Stau, Stau. Die ganze Stadt vollkommen mit Autos verstopft. Und außerdem wollten wir baden. Doch das geht ja im Hafen nicht. Am Montecarlo-Beach fanden wir eine Abstellmöglichkeit für unsere Autos und eine kleine Bucht, in der es hohe Wellen hatte. Das war toll. Anschließend kreisten wir wieder mehrere Male über die verschiedenen Abschnitte der Rennstrecke, bis wir endlich am Hafen zwei Parkplätze für unsere Autos fanden. Das war schon gigantisch, was da für Pötte lagen. Solche Schiffe hatte ich bisher nur im Fernsehen gesehen. Wie riesig die waren! Wahnsinn!! Nach einem Bummel und einem Imbiß machten wir uns dann wieder auf den langen und langweiligen Heimweg.

Nun war wieder für ein paar Tage Trialen angesagt. Doch den Ausflug rund um den Grand Canyon de Verdon haben wir uns nicht nehmen lassen. Steilabfallende Felswände, unten ein schmales türkisblaues Band, Steinadler, die mühelos und elegant an den Felsen entlang gleiten, viele Wanderer und Badende in der Schlucht unten, mit Schlauchbooten und Kajaks, schmale, kurvenreiche Sträßchen, Aussichtspunkte mit atemberaubendem Blick. Im Lac de St. Croix am Ende der Schlucht haben wir gebadet. Dort waren so viele Tretboote und Kajaks unterwegs, dass es unter der Brücke zu richtigen Engpässen kam. Auf der Südseite der Schlucht fuhren wir wieder nach Castellane zurück.

Die letzten beiden Tage verbrachten wir nochmal hauptsächlich mit Trialen. Viel zu schnell hieß es plötzlich: Das war's! Wir haben den Mopeds auf dem Waschplatz noch den Staub der Seealpen abgespritzt, sind noch einmal ins Schwimmbad gehopst, und am nächsten Tag sind wir dann am Vormittag auf demselben Weg heimgefahren, auf dem wir herkamen.

Für mich war es ein schöner Urlaub. Zum einen, weil natürlich mit Tobias und Patrick alles viel schöner war (auch wenn wir - wie unsere Eltern einstimmig sagen - "pausenlos" gestritten haben... Ganz so war es ja auch wieder nicht!!). Zum anderen, weil das Trialen und Erkunden eines solchen Geländes riesigen Spaß macht. Das ist einfach etwas anderes, als auf einem abgesteckten Platz von ein paar Metern längs und ein paar Metern quer in künstlich angelegten Sektionen zu fahren. In einem solchen Gelände hat man eine Kulisse, einen Ausblick, man überwindet natürliche Hindernisse, man "knackt" zufällig angeordnete Bachsektionen, man sucht im urwüchsigen Gelände nach befahrbaren Trialpassagen. Wenn man in einen Weg einbiegt, weiß man zunächst nicht, wo man rauskommt. Man kann versuchen, den Verlauf des Weges am Abhang zu erahnen, aber welche Hindernisse und Schwierigkeiten sich dort dann zeigen, das weiß man vorher nicht. Das ist es, was den Reiz ausmacht, warum ich gerne in solchem Terrain fahre. Letztes Jahr in Rochepaule habe ich das zum ersten Mal erlebt und schätzen gelernt. Bin mal gespannt, wo es uns nächstes Jahr hinverschlägt...

Euer Kevin/ 20.08.2005          Fotos  Videoclip (folgen...)