3. und 4. Lauf zur Jugend DM 2007 in Osnabrück 20./21.10.07

Die ersten Fotos sind da >>>     Fotos von Gerd Oberle

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Am Freitag Vormittag ging es los - zur Deutschen Jugendtrialmeisterschaft nach Osnabrück. Als wir im Steinbruch am Piesberg ankamen, herrschte zunächst großes Durcheinander. Die, die schon da waren, mussten ihren Stellplatz wieder räumen - aber wohin, das wußte niemand. Ein Stück geteerte Straße wurde als Fahrerlager freigegeben, dort standen die Wohnwagen und Wohnmobile beidseitig und eng aneinander. Kein Vordach war möglich, keine Unterstellmöglichkeit. Aber in dem Steinbruch wurde noch bis in die Nacht gearbeitet, und auch am Samstag waren die Riesenbagger aktiv.

Ich war sehr aufgeregt, versuchte mich zu beruhigen und zu sammeln, aber das war nicht so einfach. Würde es mir gelingen, noch einmal zu gewinnen? Würde ich meinen Vorsprung halten oder vielleicht sogar ausbauen können? Über die Bedingungen am Piesberg hatte ich schon viele Horrorstories gehört - würde es mir auch so ergehen?

Ich ging erstmal zur Papierabnahme und zur Technischen Abnahme, das konnte man schon am Freitag Abend erledigen...

Doch zunächst kam die Hiobsbotschaft vom Rest des AMC-Teams: Johannes hat eine Panne auf der Autobahn bei Heidelberg und kann nicht weiterfahren! Bernd konnte ihn dann glücklicherweise überreden, nicht mit dem Zug heimwärts zu fahren, sondern ins Huser-Mobil zu steigen und weiterzufahren. Dazu musste allerdings - im strömenden Regen - eine vierte GasGas in die Heckgarage des XXL verstaut werden. Das hieß alles ausladen und alles neu beladen. Bernd rief dann an und überbrachte die erlösende Nachricht: Es sind alle Mann an Bord, wir kommen! Mann, war ich glücklich! Ich weiß nicht, wie es sonst gekommen wäre...

Nach einer sternenklaren Nacht war es kalt am Samstag Morgen, frostig. Die Stimmung war aufgrund der Panne nicht besonders locker und flockig. Die Vorbereitungen liefen jedoch routiniert bei allen und wie am Schnürchen. Pünktlich waren wir am Start, dann warteten wir auf den Aufruf.

Endlich ging es los. Wir schauten uns Sektion für Sektion an, überlegten, wo die Ecken und Kanten sind - ich kam prima in den Wettbewerb hinein. Aus der ersten Runde kam ich mit nur einem Strafpunkt zurück - und war happy. Die Sektionen waren nicht einfach, an den schmierigen Hängen und auf den rutschigen Steinen musste man höllisch aufpassen, dass man genug Schwung hatte, aber auch nicht zuviel, ganz vorsichtig musste der Gasgriff behandelt werden- und vor allem war wichtig, dass man einen kühlen Kopf behielt.

In der zweiten Runde lief es ähnlich gut, mit einem Strafpunkt kam ich in die letzte Sektion, aber dort hat es mich richtig erwischt! Ich konnte alle Klippen fehlerfrei überwinden, dann ging es eine steile Auffahrt hinauf. Dabei stieg mir das Vorderrad, beim Aufsetzen rutschte mir das Vorderrad weg und ich sah mich schon samt Motorrad den Abhang hinunterstürzen. Aber ich fiel auf die Seite, gegen den Hang, habe mir auch nicht sehr weh getan, das Motorrad war heil geblieben - aber ich hatte richtig Kniezittern wie schon lange nicht mehr. Nach dem Wettbewerb habe ich von einigen Fahrern meiner Klasse erfahren, wie sie dort richtig hinunter gefallen sind!

So gesehen hatte ich noch Glück gehabt, vor allem, dass es die letzte Sektion in dieser Runde war. Denn als ich bei Start und Ziel ankam, war ich noch völlig außer mir, weil ich natürlich dachte, ich hätte mir meinen Sieg vermasselt. Aber Mama beruhigte mich sofort: Kein Grund zur Panik, es ist noch alles im grünen Bereich mit 6 Punkten aus dieser Runde.

Nach einer kurzen Pause fuhren wir weiter. In der 3. Runde sammelte ich 7 Punkte - aber mit 14 Punkten hatte ich 7 Punkte Vorsprung auf den Zweitplatzierten und 9 Punkte auf den Drittplatzierten.  Ich konnte es kaum glauben. Ich hatte es tatsächlich geschafft - der 3. Sieg im 3. Lauf zur diesjährigen Deutschen Jugendmeisterschaft!

Damit habe ich nicht nur die maximale Punktzahl in den 3 Läufen erreicht - dieser 3. Lauf zur JDM war auch gleichzeitig der Bundesendlauf für die ADAC Einzelfahrer- und Mannschaftswertung.

Die Siegerehrung am Abend war ein ganz besonderes Gefühl für mich. Meine Freunde haben mir die Badner Fahne umgebunden, ein kleines Fähnchen noch in die Hand - dann erfolgte der Aufruf für den ADAC-Meistertitel in der Klasse 5. Ich war fürchterlich aufgeregt, aber auch ganz, ganz glücklich, als ich da oben stand und die Südbadner im Saal lautstark jubelten und pfiffen und Fahnen schwenkten!

Mit der Mannschaft des ADAC-Südbaden kamen wir (außer mir noch Tobias und Patrick Huser sowie Sebastian Eggert) auf den 7. Platz - das bisher beste Ergebnis, das eine Mannschaft aus Südbaden im ADAC-Jugend-Trial-Mannschafts-Cup erreicht hat.

Anschließend merkte ich, wie müde ich war und hab mich ziemlich bald in mein Alkoven-Bett verzogen. Ich hörte noch ein bißchen zu, wie sich die Erwachsenen unterhielten, und bin ganz schnell eingeschlafen.

Am Sonntag Morgen war ich rechtzeitig hellwach. Was war das? Es klöpfelte und ein Blick durchs Fenster bestätigte die Befürchtungen: Es nieselte, dann gings in Regen über, alles wolkenverhangen. Das sah ziemlich eklig aus da draußen.

Papa holte mein Motorrad aus der warmen Garage, während ich frühstückte und mich anzog. Ich fuhr mich ein bißchen warm, während der Regen stärker wurde. Vor dem Start musste ich auch noch die Regenjacke anziehen - so fahr ich nicht besonders gerne, weil es einengt und behindert, aber es ging nicht anders. Und kalt war es auch.

Das war es also, das berühmt-berüchtigte Piesberg-Wetter - ich war gespannt, was da auf mich zukam. Es lief eigentlich ganz gut, ich war guter Dinge, als ich mit 7 Punkten aus der ersten Runde zurück kam. Was ich - glücklicherweise - nicht wußte: Es gab mehrere Fahrer, die mit einer besseren ersten Runde zurück kamen. Für meine Eltern und Freunde im Zielraum war das Warten eine nervenaufreibende Sache. In der zweiten Runde hat sich die Situation dann entspannt, denn meine direkten Verfolger kamen mit 11 bzw. 15 Punkten auf die Rampe, während ich mit nur einem Strafpunkt ankam. In der 3. Runde wurden es noch einmal 7 Punkte, das brachte mich am Ende auf Rang 4.

Als ich meine dritte Rundenkarte abgegeben habe, war ich total fertig mit den Nerven - und furchtbar enttäuscht. Eigentlich kam ich mit dem gefürchteten Piesberg sehr gut zurecht. Die matschigen Verhältnisse mag ich, aber ich konnte mich einfach nicht mehr 100 Prozent konzentrieren. Ich hatte mir vorgenommen, die "Serie" der Siege fortzusetzen - und als ich merkte, dass mir das nicht gelungen ist, da musste ich heulen. Ich war vollkommen fertig. Erst nach einer ganzen Weile guten Zuredens von allen Beteiligten habe ich es dann registriert: Ich habe den Deutschen Schüler-Trial-Pokal gewonnen - Jugendmeister in der Klasse 5, nachdem ich vier Läufe lang gegen die besten deutschen Fahrer in dieser Klasse gefahren bin!

Nach der Siegerehrung sind wir dann gleich heimwärts gefahren. Heute bin ich noch total müde uns ausgepowert - das Wochenende war nicht nur körperlich anstrengend, vor allem mein Kopf war heute total leer.

Ich möchte mich auch an dieser Stelle noch einmal bei allen bedanken, die mir geholfen und mich unterstützt haben. Das sind natürlich in erster Linie meine Eltern, die mir diesen Sport ermöglichen und viel Zeit dafür aufwenden. Aber auch meinen Freunden vom AMC Unterer Breisgau, vor allem Johannes Klement, möchte ich danken. Er hat mir in den wöchentlichen Trainingseinheiten und vor allem im Sommertrainingslager in Frankreich viel beigebracht, wieder und wieder und unermüdlich erklärt, welche Bewegung wie ablaufen muss, damit das Vorderrad da läuft, wo es soll, das Hinterrad da hinspringt, wo man es haben will. Und er hat sich - zusammen mit seinem Sohn Dominic - auch unter widrigen Umständen bereit erklärt, mit Tobias und Patrick Huser die JDM zu bestreiten, damit Bernd Huser mein Minder sein konnte. Dafür danke ich Euch allen, ohne Euch wäre dieser Erfolg nicht möglich gewesen, mit Mama allein hätte ich es nicht so geschafft.

Und allen Freunden und Fans, die heute bestimmt Muskelkater vom Daumendrücken haben, möchte ich sagen, dass Ihr mir mit Eurer Unterstützung auch sehr geholfen habt. Zu wissen, dass da Verwandte und Bekannte, Freunde und Nachbarn sind, die mitfiebern, die einem einen Erfolg zutrauen, das motiviert unheimlich.

Im nächsten Jahr fahre ich dann eine Klasse höher, in der grünen Spur. Und ich werde mich anstrengen, auch dort eine gute Figur zu machen...

22.10.07

 

 

 

Kevin Gallas - Deutsche Jugend-Trialmeisterschaft 2007

Letztes Update:
17.07.2009 20:33


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