1. und 2. Lauf zur Jugend DM 2007 in Schatthausen

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Ich war ja soooo aufgeregt! Die Deutsche Meisterschaft stand vor der Tür. Ich habe das ganze Jahr über hart trainiert, in den Wettbewerben weitere wertvolle Erfahrung gesammelt - und letztes Jahr konnte ich auf Anhieb in einem Lauf auf den 5. Platz vorfahren. Ich war mir sicher: Wenn alles gut läuft, dann ist einiges drin für mich. Aber das machte mich nicht weniger aufgeregt...

Am Freitag Abend haben wir dann gleich die Papierabnahme erledigt. Anschließend hab ich mich bei meinem Freund Eric im Alkoven mit PC-Spielen abgelenkt. Als ich zum Wohnwagen kam, fragten mich meine Eltern, ob ich denn überhaupt noch fahren wollte an dem Wochenende, weil es so spät war. Einschlafen konnte ich dann auch nicht recht...

Als es am Samstag Morgen hieß "Kevin, Aufstehen, Fahrzeugabnahme", war ich sofort hellwach. Ich hab mich in meine Fahrermontur geschmissen und mich bei der technischen Abnahme angestellt. Dort wird die Sicherheit des Motorrades sowie die ECE-Norm des Helmes geprüft. Bei mir war erwartungsgemäß alles in Ordnung, dafür erhielt ich einen Aufkleber auf den Helm und eine Farbmarkierung am Motorrad.

Anschließend hab ich versucht zu frühstücken. Ein paar Bissen habe ich runter gekriegt, aber geschmeckt hat es nicht wirklich. Es kribbelte im Bauch. Ich hab dann mal mich und meine Beta warmgefahren. Das hat geholfen, beim Fahren wurde ich sofort ruhiger.

Dann sind wir zum Start gegangen. Wir, das waren mein Minder Bernd Huser und ich. Bernd hat mir nochmal gut zugeredet, dass ich mich nicht verrückt machen, ich mich auf mein Fahrkönnen konzentrieren und es ruhig angehen soll. Dann wurde ich per Mikrofon aufgerufen, fuhr auf die Rampe und erhielt meine Rundenkarte. Dann tickte der Sekundenzeiger runter - ewig lange, bis es "Start frei" hieß.

Wir fuhren zur ersten Sektion. Die Spannung war noch da, aber ich konzentrierte mich auf meine Spur. Wir überlegten, wie ich wo fahren soll, das schien mir keine unlösbare Aufgabe und ich fuhr los. Kanalröhren rauf, steil wieder runter, über einen Stein, noch ein Haufen Bahnschwellen - Null! Das fing gut an. Und meine innere Aufregung hat sich weiter gelegt. Wir waren im Wettkampf...

Sektion 2, anschauen, einprägen, fahren - Null! Das lief super! Wir zögerten nicht lange an den Sektionen, konzentrierten uns auf uns und schauten weniger, was die anderen machten. So haben wir an jeder Sektion ein paar Fahrer, die vor mir gestartet waren, hinter uns gelassen. Sektion 3 und 4 waren Außensektionen auf dem ca. 6 km langen Rundkurs. Sektion 5 war dann wieder im eigentlichen Schatthäuser Trialgelände.

In Sektion 6 habe ich dann einen Moment wirklich gebangt, denn ich habe die Kurve zu eng angefahren und stand mit dem Vorderrad an einer Platte. Jetzt hieß es ganz ruhig bleiben, alle Konzentration zusammen nehmen und erstmal alles ausbalancieren... Als ich ganz ruhig stand, hob ich das Vorderrad kurz an, setzte es nach rechts auf die Platte, gab Gas und - holterdipolter - war ich über die Steine drüber, aber ganz anders als gedacht. Noch kurz nach links abbiegen und raus - ein Kampf-Nuller mit Stunt-Einlage! Aber egal, Null ist Null.

Sektion 7 - Null! Sektion 8 war wieder kniffliger. Da galt es, praktisch drei Stufen hintereinander hinauf zu fahren. Da musste der Rhythmus und die Linie stimmen. Ich war unten ein wenig zögerlich, und hatte gerade noch genug Schwung, um auf die erste Ebene zu kommen und dann mich nach oben zu schaffen. Das war knapp - aber Null!

Sektion 9 war eine Waldsektion, steil und die Spur noch voller Laub, weil noch kaum einer vor uns durchgefahren war. Aber das System funktionierte: Anschauen, einprägen, fahren - Null!

Die letzte Sektion war direkt bei Start und Ziel, ein Kunstsektion aus Containern, Riesenkabeltrommeln und Rampen. Und auch diese Sektion konnte ich fehlerfrei fahren - das war eine Null-Runde! Bernd strahlte mich an und war total zufrieden mit mir - und ich mit ihm. Das klappte alles wie am Schnürchen.

Nach einer ganz kurzen Pause im Fahrerlager machten wir uns auf die zweite Runde. Volle Konzentration, es hat alles schon einmal geklappt, die Knackpunkte der Sektionen waren bekannt. So konnten wir die Serie fortsetzen. Wir überholten die Schwarzen und Grünen, die gerade gestartet waren, hatten dadurch keine langen Staus und konnten ohne lange Wartezeiten unseren eigenen Rhythmus einhalten. Anschauen, einprägen, fahren - Null!

So beendeten wir auch die zweite Runde fehlerfrei. Und in der dritten Runde fing es ähnlich an. In Sektion 4 waren wir schon an den Weißfahrern vorbei. Es lief alles bestens - bis ich in Sektion 8 kam. Dort erwischte ich die Anfahrt zu den 3 Stufen nicht richtig und stand soooo blöd, dass ich einen Fuß setzen musste, um das Motorrad in die richtige Position zu bringen. Ich hab mich dann nach oben gekämpft, ohne einen weiteren Fuß zu benötigen. Aber ich hab mich so geärgert. Das war unnötig! Ein klitzekleiner Moment der Unachtsamkeit, eine Millisekunde nicht aufgepaßt - und schon stand ich falsch!

Ich war total aufgelöst - aber Bernd kam gleich zu mir und hat mich beruhigt und mir gesagt, dass dieser eine Punkt nicht wettbewerbsentscheidend sein wird. Aber ich war trotzdem enttäuscht. Zweimal hat es geklappt, warum diesmal nicht. "Haks jetzt ab, des isch erledigt, jetzt konzentrier Dich auf die letzten zwei Sektionen..."

Vor der nächsten Sektion hat er mich dann noch einmal beruhigt. Ich hab tief durchgeschnauft, mir die Augen freigewischt, und nochmal Luft geholt. Dann bin ich die steile Spur in Sektion 9 hinunter gefahren, die Kürvchen, und auf der anderen Seite wieder hinauf - Null!

Jetzt hieß es, noch ein einziges Mal alle Konzentration zusammen zu nehmen für die letzte Sektion - und ich konnte sie noch einmal fehlerfrei durchfahren.

Mit insgesamt 1 Strafpunkt habe ich meinen Wettbewerb beendet. Dann gingen wir zur Rundentafel und stellten fest, dass nur ein einziger Fahrer mir noch den ersten Platz streitig machen könnte: mein Freund Eric. Er hatte gleich in der ersten Runde einen Strafpunkt, die zweite mit Null und die dritte Runde hatte er noch nicht beendet. Jetzt hieß es Warten...........

Wo blieb Eric? Er kam nicht und kam nicht! Dann erfuhr ich die traurige Nachricht: Eric war auf der Zwischenstrecke gestürzt, hatte sich einen Milchzahn ausgeschlagen und das Handgelenk verstaucht!! Ich bin sofort hingerannt und hab nach ihm geschaut. Er war natürlich traurig, denn es tat ihm alles weh und vor allem konnte er sein Handgelenk nicht belasten. Ob er weiterfahren konnte, war lange Zeit fraglich. Er hat dann zwar seine Runde beendet, war damit auch in Wertung, aber er kam nicht mehr über die Hindernisse und sammelte so jede Menge Punkte. Schade, wenn ich hinter Eric Zweiter geworden wäre, dann hätte es auch gepasst. Wir beide fahren uns immer um die Nase herum.

So stand es allerdings fest: Ich war der Tagessieger der Klasse 5! Ich habe mich wahnsinnig gefreut und war stolz! Bernd natürlich auch. Wir waren ein Superteam an diesem Tag! Besser hätte es nicht laufen können. Johannes, unser Jugendtrainer, war natürlich gleichermaßen stolz und freute sich riesig. Und natürlich meine Eltern und alle meine Freunde. Wir haben darauf angestoßen (ich natürlich nur angestoßen und nichts getrunken...;-)  ) Schade, dass es für Tobi nicht so gut lief und er aufgeben musste. Das trübte die Stimmung natürlich. Patrick hat sich wacker geschlagen und einige spektakuläre Aktionen gezeigt.

Am Abend bin ich relativ früh ins Bett gegangen, denn am nächsten Tag stand der 2. Lauf bevor...

Um 9.06 Uhr war meine Startzeit. Mit neuem Helm trat ich an, ich hatte ihn am Abend vorher eingestellt und aufprobiert und war mir sicher, dass er mich nicht stören würde. Das Gras und alles war noch richtig nass vom Tau. Und noch nirgends eine eingefahrene Spur, weil ja nur 5 Fahrer vor mir gestartet waren.

Die erste Sektion, ein großer Quader, ein holpriger Steinhaufen, eine enge Kehre - das bewährte Muster vom Vortag funktionierte: Anschauen, einprägen, fahren - Null.

Die zweite Sektion, holprige Steinpassage, steile Auffahrt - Null! Als ich an der dritten Sektion war, fehlte mein Minder. Wo blieb Bernd? Keiner war da, auch nicht meine Mutter, nicht mein Vater. Und vor allem nicht Bernd! Ich war in Panik, ich wollte weiter, musste doch meine Zeit einhalten...! Mein Wettbewerb...! Ich wollte doch gut sein ...!!

Dann kam Mama und sagte, dass Bernd gleich käme, dass er noch nach Patrick schaut, weil der ja nur kurz hinter uns gestartet war... "Aber Bernd ist doch mein Minder", hab ich gesagt. "jaja", sagte Mama, "aber ihr zwei seid doch so gut drauf, ihr könnt doch Pati mitnehmen. Wenn ihr jetzt alle zusammen seid, ist das doch kein Zeitverlust und kein Problem". Sie hatte gut reden, ich habe einfach Angst gehabt, dass ich mich dann nicht mehr so gut konzentrieren könnte...

Von da an sind wir dann zu viert weitergezogen: Dominic hatte Patricks Verpflegung und stellte sich an die kniffligen Stellen, Bernd zeigte ihm und mir die Spur. Der Schwierigkeitsgrad war höher als am Vortag, an einigen Stellen konnte es einem das Hinterrad verschlagen, und man wusste vorher nicht, wie man vor dem Hindernis stehen würde. Alles lief jedoch prima, bis zur 9. Sektion. Dort rutschte mir in einer steilen Kehre am Waldhang das Vorderrad weg und ich musste einen Fuß setzen. Mann, hat mich das geärgert. Aber Bernd beruhigte mich wieder: "Zusammengezählt wird erst am Schluß!"

Die letzte Sektion konnte ich wieder fehlerfrei fahren. Und ich habe gemerkt, dass ich nach wie vor einen tollen Minder hatte. Ich kam nicht zu kurz, obwohl sich Bernd auch um Patrick kümmerte. Manchmal fuhr sogar Patrick zuerst, und ich konnte so ganz gut abschätzen, wie was wo sein würde.

In der zweiten Runde musste ich noch zwei Füße setzen in der vorletzten Sektion. Eine Hangsektion auf Waldboden, normalerweise meine Spezialität - Mann, was war nur los mit mir?? "Reiß Dich zusammen, Du hast es doch drauf, Du kannst es doch, konzentrier Dich jetzt, ganz ruhig, Du machst das schon, es hat doch vorhin auch schon geklappt hier..." - so und so ähnlich beruhigte mich Bernd und ich redete selber mit mir. KONZENTRATION! KONZENTRATION! RUHE! RUHE!

Und es klappte. Ich wurde ruhiger und ruhiger. Mit 2 Strafpunkten gab ich meine zweite Rundenkarte ab, obwohl es an einigen Stellen inzwischen rutschiger und schmieriger geworden war. Jetzt musste ich noch einmal alles geben, was ich hatte. Voll auf Sicherheit fahren, ganz ruhig und gelassen bleiben. Die Sonne kam raus, der Boden trocknete ab, die Bedingungen wurden besser. Die dritte Runde lief super. Als ich die letzten Sektionen vor mir hatte, wurde ich allerdings zappelig. Würde mir die Null-Runde noch gelingen? Wie sind die anderen gefahren? Ich hatte keine Ahnung...

Doch ein Blick auf die Rundentafel zeigte dann bald, dass alle anderen Fahrer schon in den ersten beiden Runden mehr als 3 Punkte gesammelt hatten - ich hatte es noch einmal geschafft! WAHNSINN!

Das ist erst das zweite Mal, dass ich an einem Wochenende zweimal Erster wurde. Dass mir das gerade bei der Deutschen Jugendmeisterschaft geglückt ist!

Das war ein Freudentanz!

DANKE BERND, wir waren ein Super-Team! DANKE JOHANNES für das tolle Training immer, im Trialsportcenter des AMC sowie im Sommer in Frankreich, DANKE natürlich MAMA und PAPA, die mich bei allem voll unterstützen und ohne die ich diesen Sport nicht ausüben könnte und DANK an alle, die mich sonst unterstützen und mir mit Rat und Tat zur Seite stehen.

Ich freue mich auf Osnabrück, wo in 14 Tagen die zweite Hälfte der JDM stattfindet.

13.10.07

Kevin Gallas - Deutsche Jugend-Trialmeisterschaft 2007

Letztes Update:
17.07.2009 20:34


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