Trialen, Trialen, Trialen - das ist die Hauptbeschäftigung im Centre Tout Terrain in Rochepaule.
Bei strömendem Regen und "Land unter" in der Schweiz sind wir losgefahren. Mulhouse - Besancon - Belfort - Dole - Bourg en Bresse und in Lyon-Süd auf die Autoroute de Soleil in Richtung Marseille. Nur wenige Kilometer südlich von Lyon folgt man der Ausfahrt in Richtung Annonay und dann führt die kleine Straße ein langes Tal hinauf nach St. Bonnet-le-Froid im Zentralmassiv. Wie der Name schon sagt: eine "kalte Mütze", die total in den Wolken verschwunden war. Danach sind es nur noch wenige Kilometer in Richtung St. Agrève und Lac de Devesset, bevor man links nach Rochepaule und dann nochmal links zum Centre Tout Terrain abbiegt.
Dort angekommen, wehte uns die Nebelnässe waagrecht ins Gesicht, als wir uns nach einem Stellplatz umsahen. Viel Auswahl hatten wir nicht. Oben auf dem Plateau hatte man das Gefühl, weggeblasen zu werden. Und nur die obere Terrasse des "Campingplatzes" ist mühelos zu erreichen. Die unteren Terrassen und Stellplätze bieten zwar teilweise mehr Platz und Grün, sind aber leider nur über einen stark ausgewaschenen steinigen und steilen Waldweg zugänglich. Das war für unser Gespann eindeutig zu viel. Abwärts wäre vielleicht noch möglich gewesen, aber zurück? Keine Chance... Zudem war die untere Wiese durch mehrere Zelte und Campingbusse belegt.
So bugsierten wir unseren Wohnwagen auf die oberste Terrasse. Die letzten Fahrer kamen gerade aus dem Gelände, alte Bekannte aus Sulz, die nach einer Woche Regen in Rochepaule in Richtung Seealpen weiterziehen wollten...
Am Samstag Morgen war der Himmel zwar noch wolkenverhangen, aber die Sonne drückte immer stärker durch. Und am Nachmittag hatten wir einen strahlenden blauen Himmel, der uns für die ganze Woche erhalten bleiben sollte. Lediglich nachts regnete es zweimal, morgens und abends war es empfindlich kühl in 1100 Metern Höhe, aber es blieb trocken - herrliches Trialwetter!
Johannes und Dominic bugsierten ihr Wohnmobil nach ihrer Ankunft am Samstag Nachmittag auf die untere Wiese, damit "der große Wagen" nicht so allein da unten stehen musste. Dieser traf allerdings erst sonntags ein, weil zuerst noch "Schrauben" angesagt war.
Ab Samstag waren wir täglich im Gelände unterwegs. Aber trotzdem haben wir nicht an allen Trialsektionen trainiert - es sind einfach zu viele. Und wenn man an einer Stelle ist, dann findet man da noch eine Spur, und dort noch einen Stein, der sich einbauen ließe, und dort noch eine Kehre, die zur Herausforderung wird. Langeweile kommt da keine auf.
Nach einer Woche sind wir dann über den Mont Gerbier in Richtung Ardèche gefahren. Dort gibt zwar das Trialgelände bei weitem nicht so viel her, aber dafür findet man drum herum mehr Abwechslung. Zum Beispiel ist ein Swimmingpool auf dem Campingplatz, natürlich es viel wärmer dort unten, manchmal fast zu warm zum Trialen. Man kann zum Baden an schöne Ecken an der Ardèche und ihren Nebenflüssen fahren, malerische alte Städtchen im Felsmassiv besichtigen - und Essen gehen.
Und zum krönenden Abschluß wollten wir noch eine Kanufahrt auf der Ardèche machen. Mama und ich im Kanu - und keiner hat das jemals schon gemacht. Zu Anfang bekamen wir dann so großartige Ratschläge wie "Am besten, Ihr probiert die Eskimorolle gleich am Anfang mal aus, wo das Wasser noch tiefer ist..." und so weiter... Und prompt hingen wir gleich quer im ersten Tor! Ich schleppte das Kanu zurück, neuer Anlauf und durch. Aber da kam gleich eine Stromschnelle und wie der Name schon sagt, es wurde schnell. So schnell, dass wir gar nicht so schnell lenken konnten. Und prompt hingen wir an einem Felsen fest. Ich wieder raus aus dem Ding, will es wegziehen, werfe mich wieder drauf, aber quer und - plumps! - kentert das Ding. Da hatten wir unsere Eskimorolle - nach sage und schreibe 50 Metern.
Mama war am Fluchen und Schimpfen, wollte schon aufhören. Da kamen Bernd und Pati die Stromschnelle herunter, aber die GasGas-Kappe blieb im Geäst hängen und landete im Wasser. Also galt es, diese herauszufischen. Dazu mussten auch sie aus dem Boot. Sie haben uns dann animiert, weiterzufahren. Mama machte mit - aber unter Protest...
Doch nach und nach bekamen wir die Sache besser in den Griff. Wir mussten uns anstrengen, schließlich lagen 14 Kilometer vor uns! Und um 18 Uhr war Abholung am Endpunkt - wir mussten uns sputen. Da die anderen schneller waren, konnten wir teilweise nicht mehr sehen, ob sie rechts oder links die Stromschnellen passiert haben. So liefen wir immer mal wieder auf Grund. Dann löste sich noch die Befestigung unserer Tonne, die wir dann in der Mitte erneut festzurren mussten.
Aber nach der Pause holten wir auf und konnten das Tempo mithalten. Mir hat es gut gefallen, mit dem Wasser abwärts zu sausen, besonders auf der großen Rutsche am letzten Wasserfall. Als wir ankamen, waren wir ganz schön geschafft, aber das ging den anderen nicht anders. Und wir hatten nicht mal Muskelkater...
Ich habe viel gelernt, viel ausprobiert, neue Höhen überwunden und viel Spaß mit all meinen Freunden gehabt. Ein schöner Urlaub war das!
Letztes Update:
17.07.2009 20:36