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Es hat für mich eine Ewigkeit gedauert, bis endlich Freitag war. Ich war so aufgeregt und voller Vorfreude auf die beiden Läufe in Heringen. Zusammen mit André wollte ich mein Bestes versuchen!

Am Freitag Vormittag sind wir losgefahren, Ziel Frankfurt/Main Airport. Mit dem LKW an den Flughafen? Schau'n mer mal... Wir konnten dann bei den großen Reisebussen parken, direkt gegenüber den Eingängen zum Airport. Dann wurde ich noch ein paar Minuten auf die Geduldsprobe gestellt. Immer wenn sich die Türen öffneten, schaute ich nach dem finnischen Blondschopf - meine Nase war ganz plattgedrückt und mein Hals ist bestimmt länger geworden in dieser Zeit...

Dann ein Strahlen - André war da! Wir stiegen in den Big Blue und fuhren weiter nach Heringen/Werra, mit vielen Staus und Stockungen unterwegs. Das Fahrerlager war schon voll, als wir ankamen, aber unterhalb des Schwimmbadparkplatzes gab es an der Straße noch freie Flächen. André und ich machten uns gleich auf die Socken, um die Sektionen zu besichtigten. Unser erster Eindruck: ganz schön knifflig an manchen Stellen... Wir erledigten gleich noch die Papierabnahme und dann war es auch schon bald Zeit, ins Bett zu gehen.

Am Samstag Morgen frühstückten wir erstmal ganz in Ruhe. Meine Startzeit war für kurz vor 11 Uhr ausgelost, also kein Grund zur Panik. Nach dem Frühstück erledigte ich zunächst die Technische Abnahme - alles Routine und kein Problem. Dann schauten wir uns die Sektionen für diesen Tag noch einmal gründlich an.

Die Startrampe war im Zelt, der Sprecher stellte die Fahrer vor, dann wurde die Rundenkarte mit der Zeit gestempelt und los gings.

André machte mich gleich in den ersten Sektionen auf die eine oder andere Ecke aufmerksam, der ich keine Beachtung geschenkt habe. Das hätte schon schief gehen können. Aber so suchten wir in jeder Sektion die beste Spur - und es lief gut. Ich konnte mich gut konzentrieren und fühlte mich sicher. So kamen in der ersten Runde nur 6 Strafpunkte zusammen - die beste erste Runde in dieser Klasse, wie sich später herausstellte.

Aber das wussten wir noch nicht, als wir in die zweite Runde starteten. Wir taten gemeinsam unser Bestes. Doch lange Staus an mehreren Sektionen brachten mich ziemlich aus dem Tritt. Es ist schwer, die Konzentration aufrecht zu erhalten, aber das geht ja allen so. Wir kämpften also weiter um jeden Punkt und konnten das Rundenergebnis um einen Punkt auf 5 Punkte verbessern.

Auch als wir in die 3. Runde starteten, wussten wir noch nicht, was unsere Leistung wert war. Ich konzentrierte mich noch einmal voll, und dann passierten mir zwei dumme Fehler. Unnötig, nur zwei "Dapper" - aber das waren zwei zu viel.

So verpasste ich den Tagessieg um einen Punkt und wurde "nur" Zweiter. Wegen einem Punkt! Das hat mir zunächst mächtig die Stimmung vermiest und es dauerte eine ganze Weile, bis ich realisierte, dass ich damit ADAC-Vize-Jugendmeister in der Klasse 4 geworden bin!

Am Abend dann, bei der Siegerehrung, da konnte ich mich über meinen guten Lauf freuen. Und anschließend haben wir fröhlich ein bisschen gefeiert, bis es wieder "Gute Nacht" hieß.

Am Sonntag war der Start eine Stunde früher. Der Nebel löste sich erst spät am Mittag auf und die Sektionen waren ziemlich feucht und stellenweise rutschig. Es fiel mir schwer, mich zu konzentrieren und ich fühlte mich teilweise kraftlos. Ich dachte immer wieder an die langen Staus vom Vortag und wollte vorwärts kommen. André hat mich ermahnt, genauer die Sektionen anzuschauen, vielleicht an der einen oder anderen Stelle nach einem Ausweg zu suchen. Er zeigte mir andere Spuren, als die offensichtlichen, und sie erwiesen sich als super und haben mir manchen Punkt erspart! Auf diese Ideen wäre ich sicher nicht gekommen!

Aber 10 Punkte in der ersten Runde waren an diesem Tag zuviel, wie sich später herausstellte. Ich konnte mich erst in der zweiten Runde "fangen", merkte, wie ich ruhig und konzentriert wurde. 7 Punkte - das reichte noch nicht. Also legten wir uns in der 3. Runde noch einmal richtig ins Zeug. Und es lief super. Bis zur Sektion 9 hatte ich nur zwei Füße gesetzt. Doch in dem Kniffeleck vor der Brücke erwischte es mich dann und es hieß "Fünf". Damit waren alle Träume auf einen der vorderen Plätze im letzten JDM-Lauf 2008 geplatzt, denn ich bekam so noch einmal 7 Punkte aufs Konto.

Am Ende reichte es noch für den 10. Platz. Das ist nicht schlecht, aber auch nicht toll. Mein Traum war, noch einmal aufs Podest zu kommen. Und wenn ich mich in der ersten Runde besser hätte konzentrieren können - wer weiß... Aber so ist das im Trial und in jeder Sportart: Es muss alles perfekt passen, um als Sieger aus einem Wettkampf hervorzugehen.     

Mit einem 14. und einem 10. Platz in Kiefersfelden, mit einem 2.  und einem 10. Platz in Heringen habe ich es auf Platz 7 in der Gesamtwertung zur Deutschen Jugendtrialmeisterschaft in Klasse 4, dem sogenannten Deutschen Jugend-Trial-Pokal, gebracht. Das ist ein schönes Ergebnis, darüber freue ich mich und nach dem Wettbewerb ist vor dem Wettbewerb - nächstes Jahr geht es dann in Blau weiter...

Ein ganz herzliches Dankeschön an André, der mit seiner sehr ruhigen aber lustigen, mit seiner souveränen und gleichzeitig freundschaftlichen Art genau den richtigen Ton getroffen hat, um mich zu motivieren und anzutreiben, wenn nötig, bzw. mich zu bremsen. Naja, ein bisschen muss ich da noch an mir arbeiten und mich daran gewöhnen, dass ich mich auf ihn vollkommen verlassen kann, ihm blind vertrauen kann. Das kannte ich bisher nicht, das war eine vollkommen neue Erfahrung für mich - eine sehr gute Erfahrung! Ich kann das nicht in Worte fassen, wie das war für mich - und ich war sehr traurig, als wir am Sonntag Abend am Airport wieder Abschied nehmen mussten...

Ein besonderes Dankeschön möchte ich an Reinhard Fromm, Inhaber der Fromm Packaging Systems, richten. Er hat diese wunderbaren Kontakte nach Finnland eingefädelt und mein Trialtraining im Sommer dort ermöglicht.

Nun stehen noch zwei Wettbewerbe vor der Tür, sozusagen direkt vor der Haustür. Denn am kommenden Wochenende finden in Baden-Baden die Endläufe zur Baden-Württembergischen Jugendtrialmeisterschaft, zur südwestdeutschen TSG-, zur TSV- und zur Internationalen Bodenseemeisterschaft statt.

Vor heimischem Publikum möchte ich da noch den einen oder anderen Meistertitel einfahren :-))

Wer mich dabei anfeuern will: Start am Samstag ist ab 12.00 Uhr, am Sonntag starte ich um 13.30 Uhr...

 

 

Kevin Gallas - JDM Heringen 11./12.10.08

Letztes Update:
17.07.2009 20:25


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