Ich kann Euch sagen, das war ein Wochenende! Da war wieder mal alles drin! Angefangen vom Super-Wetter, das Traum-Gelände in La Bresse, Trial den ganzen Tag, Lagerfeuerromantik und den ganzen Tag halt draußen sein. Was will man mehr? Dass meine Beta ein paar heftige Schrammen abbekommen hat und ich an einigen Stellen in verschiedenen Blautönen schillere, das ist dabei fast schon Nebensache, das gehört zu einem solchen Trialtraining dazu.
Am Freitag Nachmittag sind wir losgefahren - gemütlich über die Staustufe und dann auf der französischen Autobahn über Strasbourg bis Colmar. Dort sind wir ins Münstertal abgebogen und die Paßstraße auf den Col de Schlucht hinauf gefahren. Kurz nach der Paßhöhe biegt man dann links ab nach La Bresse und dort gehts wieder rechts in Richtung Gérardmer. Auf der Paßhöhe des Col de Grosse Pierre in knapp 1000 Metern Höhe hatten wir unser Ziel erreicht.
Zunächst stellte sich die Frage, ob unser Big Blue die schmale Auffahrt auf das Camping-Plateau schaffen würde. Der Weg wurde zwar etwas verbreitert, aber aus dem Fahrerhaus heraus sah der Weg verdammt eng aus. Außerdem stand noch ein Auto im Weg. Also warteten wir eine Weile und als der Wagen zur Seite gefahren war, hat Papa Big Blue da hinauf gefahren - ganz knapp unter dem Vordach durch. Aber es hat geklappt und wir standen oben, mit Johannes und Dominik und Fam. Bühler. Wir feuerten das Lagerfeuer an, turnten mit dem Trial-Fahrrad herum, erkundeten das Gelände und sind erst spät ins Bett gegangen.
Zum Frühstück haben wir uns bei Johannes in die Sonne gesetzt, mit Ausblick runter auf die Paßstraße, auf der schon die ersten Motorradtourer durchbretterten. Anschließend konnte ich es kaum erwarten - nichts wie ab aufs Motorrad...!
Das Gelände ist einfach herrlich. Wir sind erstmal wie üblich zum "Exerzierplatz" hinauf gefahren. Ach, so viele Stellen kamen mir gleich wieder bekannt vor. Mir fiel ein, wo ich mich mit der Automatik versucht habe, wo mit der 80er, mit der ich vor zwei Jahren noch dort war.
Jetzt, mit der 125er, kann ich ja noch viel tollere Sachen fahren. Da eine Auffahrt, die könnte gehen, kurz Maß nehmen, anpeilen, konzentrieren, Gas geben, Kupplung schnell kommen lassen - und hoppla, schon bin ich drüber. Was für ein tolles Gefühl, wenn der Hinterreifen sich in den Felsen krallt und einen nach vorne und nach oben treibt!
Johannes hat immer wieder neue Sektionen, neue Kombinationen gefunden. Kaum hat eine Stelle geklappt, suchte und fand er eine neue Herausforderung für uns. Zur Mittagspause sind wir wieder ins Camp zurück gefahren. Ich bin dann nicht der Typ, der in der Hängematte liegt. Ich muss mich dann mit dem Trialfahrrad abreagieren. Das Essen ist mir unwichtig. Aber gegen ein Stück Erdbeerkuchen mit Sahne, dagegen war nun wirklich nichts einzuwenden. So gestärkt ging es dann am Nachmittag zur zweiten Trainingseinheit des Tages.
Aber irgendwann war es dann mit meiner Konzentration vorbei und auch kräftemäßig hatte ich mich schon sehr verausgabt. Wir bauten eine Sektion in einer Felswand, ein abenteuerlicher "Weg", der viel Technik und Kraft brauchte. Aber der erste Teil wollte mir einfach nicht gelingen, und die Ausfahrt war steil an der Wand hinauf. Dort hatte sich Johannes als Sicherung hingestellt, weil er an dieser Stelle vor zwei Jahren einen Abflug hatte. Doch als ich wieder im ersten Teil Schwierigkeiten hatte. kam er herunter und erklärte mir Stück für Stück, wie ich die Passage knacken könnte. Und ich fuhr noch einmal hinein - und yippiyippiyeah! - ich kam mit NULL drüber. Ich fuhr und fuhr und wollte nun auch die ganze Sektion zu Ende fahren, auch die Ausfahrt ganz oben. Doch irgendwie paßte der Anlauf nicht, ich fand nicht genügend Grip im losen Boden, hatte zu wenig Geschwindigkeit - aber ich wollte unbedingt hinauf. Allerdings kam ich nur bis zur Hälfte, ich versuchte noch, zu drücken, aber ich hing zu weit hinten, kam nicht mehr an die Kupplung - und stürzte ab! Mein einziger Gedanke war nur noch: Sch... eibenkleister! WEG! Zur Seite! Das Moped kommt ja auch noch hinterher!
Mir ist nichts Schlimmes passiert! Gottseidank bin ich ja fast rundherum gepolstert mit Helm, Rückenpanzer etc. Ich hatte nur einen riesigen Schreck bekommen. Und vor allem war ich um meine Beta besorgt. Die hat ein paar tiefe Schrammen bekommen und meine Lust am Trialen war für einen Moment vorbei. Ich bin zurück ins Camp gefahren, wo ich mich beruhigte und Papa meine Maschine durchcheckte.
Irgendwie hatte es diese Stelle aber in sich, denn auch Manfred stürzte weiter unten kopfüber in eine Felsspalte, glücklicherweise auch ohne schwere Folgen, eine Delle im Helm, ein paar Macken an der Gabel. Und auch Johannes hat es dann noch erwischt, auch seine Gabel ist lädiert.
Nach der Dusche lockerten wir unsere Muskeln in der Sauna. Das war für mich auch eine Premiere. Schön angenehm war das, das mache ich bestimmt mal wieder...
Am Abend hockten wir wieder ums Lagerfeuer und erzählten über die Geschichten von früher und heute.
Am Sonntag Morgen nach dem Frühstück ging es wieder los. Diesmal sind wir in den hinteren Geländeteil gefahren. Auch dort sind herrliche Sektionen, Steinkombinationen, wie man sie künstlich gar nicht errichten kann. Da eine Stufe, dort eine Stufe, aus der Kurve heraus erstmal positionieren, dann Druck aufs Hinterrad, Zug am Lenker, der Gasstoß zur rechten Zeit - und wenn alles passt, dann kommt man hinauf, hinüber und wieder hinunter.
Aber manche Stellen sind einfach fies. Da ist vielleicht eine kleine Wurzel genau in dem Bereich, wo sich das Hinterrad beim Gasstoß befindet, ein Stein kullert in die Spur, oder die Spur ist durch die mehrfachen Versuche immer tiefer und loser geworden. Und so muss man bei jedem Versuch das Zusammenspiel der verschiedenen Bewegungs- und Handlungselemente neu variieren. Aber ob es die richtige Entscheidung war, merkt man erst, wenn man drüber kommt - oder auch mal "abgeworfen" wird. So ist es mir dann am Sonntag Vormittag gegangen. Ich fiel ziemlich unsanft von einem Stein in eine Kuhle und fing mich mit der Hand auf einer Steinplatte ab. Dabei hab ich mir so das Handgelenk geprellt, dass ich erstmal gar keine Kraft hatte. Ausgerechnet die Gashand - so hätte ich ja nicht weiterfahren können. Aber nach ein bisschen Kühlung mit Wasser ging es dann schnell wieder besser. Ich konnte das Handgelenk in alle Richtungen bewegen, nur der Druck an einer bestimmten Stelle war noch schmerzhaft. Aber ich konnte weiter trainieren, das war das Wichtigste.
Wir trafen dann noch auf Fritz Horvath und seine Gruppe. Fritz bat mich, über diesen oder jenen Stein zu fahren und dirigierte am Schluß noch Johannes und mich zu einer kleinen Show, u. a. so mit dem erhobenen Vorderrad über einen Felsen, dass wir uns in der Mitte begegneten. Und er betätigte auch noch im richtigen Moment den Auslöser für dieses Foto - sehr zum Erstaunen seiner Gruppe...
Nach einer ausgiebigen Mittagspause sind wir am Nachmittag erneut ins Gelände gestartet. Johannes hat einen "Sprungstein" entdeckt, den er mir nicht vorenthalten wollte. Sprungstein heißt, ein kleinerer Felsen, der in einer Entfernung, in diesem Fall ca. 2 Meter - vor einem großen Brocken liegt. Wenn man darauf abspringt, "fliegt" man auf den großen Brocken. Das macht viel Spaß, aber man muss natürlich auch landen können. In diesem Fall war auch ausreichend Platz, so dass es mich reizte, nicht nur geradeaus zu landen, sondern noch in der Luft das Motorrad um 90 Grad zu versetzen. Ich wurde immer mutiger, es klappte richtig gut. Nur einmal hab ich es vielleicht ein bisschen übertrieben, denn bei der Landung kam ich etwas schräg auf, das Hinterrad rutschte weg, die Maschine fiel um und ich ins Loch, bis mich meine Hüfte an einem Stein bremste. Aua, das tat höllisch weh! Und an dieser buntschillernden Prellung werde ich noch eine Weile meine "Freude" haben... Aber sonst ist nichts passiert, und ich konnte weiter trainieren!
Das Lagerfeuer abends fiel dann erstmal aus, denn südöstlich zog ein schweres Gewitter durch, das uns aber nur am Rande streifte. Es fielen nur ein paar einzelne Regentropfen, aber der Gewittersturm hielt uns davon ab, das Lagerfeuer zu entzünden. So haben wir unser Grillgut in der Pfanne gebraten und sind im Big Blue gesessen, bis es draußen wieder besser wurde. Am Lagerfeuer der Fam. Bühler haben wir dann noch eine ganze Weile gesessen, aber ich war doch müder als ich dachte...
Am Montag Vormittag starteten wir noch einmal ins Gelände. Langweilig würde es mir da niemals werden. Immer neue Ecken, Einfahrten zu Sektionen, die wir nach dem ersten Versuch als zu hakelig, zu unfahrbar, zu unschön bezeichneten, sind wir dann doch mit Null gefahren, wir haben uns durch Felsrinnen und durch Felskehren gekämpft, über Wurzeln und Steine und uns noch einmal richtig verausgabt.
Am Nachmittag haben wir dann zusammengepackt und sind nach Hause gefahren. Das war ein tolles Wochenende, das hat mir fahrtechnisch viel gebracht, es hat Spaß gemacht und ich könnte grad schon wieder hinfahren!
Doch heute gehts zum Training wieder nach Herbolzheim, bin mal gespannt, was ich dort jetzt besser fahren kann als vorher...!
13.05.08
Letztes Update:
17.07.2009 20:26