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Mann oh Mann, war das ein Wochenende! Es fing mit einer Riesen-Überraschung an und endete mit einer Überraschung, doch der Reihe nach...

Am Freitag Nachmittag fuhren wir von Baden-Baden nach Fürth-Erlenbach. Der Wetterbericht versprach Sommerwetter. Regnen sollte es nicht. Nach ein paar Staus auf der Autobahn waren wir am Ziel. Ich machte mit ein paar Freunden eine Runde mit dem Fahrrad und habe mal einen Blick auf die Sektionen geworfen.

Blau schien nicht so schwer, aber in Weiß hätte ich kaum eine Chance gehabt bei den hohen Stufen. Naja, dachte ich, ich schaue mir das am Samstag Morgen nochmal an, vielleicht ändert sich ja noch was...

Wir saßen gerade beim Abendessen, da bog ein Auto von der Straße ab und fuhr geradewegs auf uns zu. Ich habe mich so erschrocken und war so entsetzt, dass ich gar nichts sagen konnte. Als ich dann durch die getönten Scheiben den Fahrer erkannte, fielen mir die Nudeln fast wieder aus dem Mund: es war André aus Finnland!!

Was für eine Freude, die Überraschung ist ihm total geglückt. Ich war fast am Ausflippen! Ich konnte es gar nicht fassen! Sofort haben wir uns gemeinsam die Sektionen angeschaut...

Am Samstag Vormittag machten wir uns noch einmal auf die Runde. Die Sektionen schienen nicht zu schwer, aber es waren überall knifflige Ecken drin. André gab mir natürlich viele Tipps und machte mich auf einige Ecken aufmerksam, über die ich mir alleine keine Gedanken gemacht hätte.

Im Wettbewerb dann probierte ich doch die eine oder andere Stelle auf meine Weise - und musste feststellen, dass André mit seiner Erfahrung einfach den richtigen Riecher hatte mit seiner Einschätzung. Wenn ich seinem Rat folgte, konnte ich fast wie auf Schienen fahren...! Nur 2 Punkte hatte ich in der ersten Runde, damit lag ich in Führung. In der zweiten Runde war ich einmal etwas unkonzentriert und erhielt insgesamt 4 Punkte. Volle Konzentration hieß es nun - Runde drei schaffte ich mit einem Fuß und die letzte Runde konnte ich sogar fehlerfrei fahren! Mit 7 Punkten wurde ich Tagessieger, der Zweitplatzierte hatte 10 und der Dritte bereits 29 Punkte.

Wertungspunkte erhalte ich für diesen Lauf nicht, da er zur Hessisch-Thüringischen Jugendmeisterschaft zählt. Das war nur ein Trainingslauf für mich - aber ein sehr wichtiger, bei dem ich viel gelernt habe.

Die Sektionen für Sonntag waren erheblich knackiger! Schon die Besichtigung war teilweise sehr anstrengend, denn die Hangsektionen waren sehr steil. André wollte auf jeden Fall noch die erste Runde mit mir zusammen machen, bevor er wieder zum Airport zurück musste.

Einige Sektionen waren konditionell eine Herausforderung, weil sie sehr, sehr lang waren. Die Waldsektionen waren steil und vor der einen hatte ich mächtig Bammel. Aber André zeigte mir die richtige Linie, sagte mir, wie ich es probieren könnte, und was ich tun könnte, wenn es nicht so klappen sollte. In der ersten Runde war ich noch zu zögerlich, ich habe nicht den Schwung mitgenommen, zu groß war der Respekt und die Angst vor einem Crash. Aber ich hatte die direkte Linie gewählt und stand so gut, dass ich mich mit nur zwei Füßen aus der Affäre ziehen, das Hinterrad versetzen und den Rest der Sektion fehlerfrei fahren konnte. In den folgenden Runden habe ich diese Stelle problemlos meistern können, es hat alles gepaßt, weil ich das Vertrauen gefunden hatte, dass es geht.

In fast jeder Sektion gab es irgendeine Kniffelecke, wo mir André die entscheidenden Tipps gab. Die erste Runde konnte ich mit nur 8 Punkten beenden. Da wir zügig voran kamen, war ein Punktevergleich zu diesem Zeitpunkt noch nicht möglich. André begleitete mich in der 2. Runde noch zu den vier schwierigsten Sektionen, bevor er sich auf die Heimreise machte. Ich fuhr die zweite Runde allein zu Ende, konnte mich auf 5 Punkte verbessern und kam gerade noch rechtzeitig ins Fahrerlager, um mich von ihm zu verabschieden. Schade, dass er schon gehen musste, ich war traurig, aber ich hatte ja noch zwei Runden zu fahren...

Die dritte Runde lief reibungslos. Ich kannte die Knackstellen und wußte, wie ich sie technisch lösen konnte. Noch einmal kamen 5 Punkte dazu. In der 4. Runde passierte es dann. Nachdem ich die ersten 3 Sektionen fehlerfrei gefahren bin, stürzte ich in der 4. Sektion so blöd hangabwärts, dass ich seitwärts voll auf einen Holzstickel gefallen bin. Aua, das tat höllisch weh, mir blieb erstmal die Luft weg und ich konnte nicht aufstehen. Aber ich wollte unbedingt weiterfahren. Bewegen konnte ich mich, durchschnaufen auch, von den Sanitätern erhielt ich Eispacks zur Kühlung - und so machte ich mich weiter auf den Weg zur nächsten Sektion.

Jedes Ziehen am Lenker, jede Landung nach einem Sprung vom Stein tat mir weh. Das E-Schild sah ich teilweise gar nicht richtig vor lauter Tränen... Kurze Pause, Durchschnaufen, ich wollte unbedingt zu Ende fahren! Mama war total besorgt, wollte mit mir noch einmal zu den Sanis gehen. Aber ich wollte nicht und fuhr weiter. Die Hillclimbing-Sektion kostete sowieso viel Kraft, das Hinterrad musste den ganzen langen Weg mit viel Druck auf dem Boden gehalten werden - doch in dieser letzten Runde tat es nur noch weh. Ich war so froh als ich endlich oben und über den letzten Stein gekommen war. Aua, aua! Und dann noch die Hangsektion, die einzige, die ich nicht ein einziges Mal fehlerfrei schaffte... So steil ging es nach dem Baum abwärts, ich stauchte ein, mir schossen die Tränen aus den Augen, es tat so weh, dann unten musste ich versetzen, und dann wieder den Hang hinauf - geschafft, mit 3 Füßen - noch eine letzte Sektion....

In dieser waren riesige Felsbrocken zu Hindernissen kombiniert, Stein rauf, Stein runter, versetzen, Stein rauf, hoppel-hoppel über die Baggerspuren und wieder ein Stein rauf - ein Sprung, eine harte Landung - Mist! ein Fuß! - und dann ein blödes Eck runter und raus. Ich war am Ende - im wahrsten Sinn des Wortes...

Beim Blick auf die Rundentafel ging es mir dann wieder besser. Ich hatte ehrlich gesagt damit gerechnet, dass mir der Sturz und die 5 Punkte alles vermasselt hätten. Aber nun sah es so aus, als könnte ich tatsächlich noch Zweiter werden...

Erst bei der Siegerehrung erfuhr ich dann, dass ich sogar GEWONNEN habe, punktgleich mit dem Zweitplatzierten, weil ich eine fehlerfreie Sektion mehr hatte...

Ich war total happy und völlig aus dem Häuschen. Da hat es sich doch voll gelohnt, dass ich nach dem Sturz nicht aufgegeben habe. Und Andrés Einsatz wurde auch belohnt, denn ohne ihn hätte ich sicher nicht gewonnen!

Der blaue Fleck ist riesig, wird mich noch eine ganze Weile an diesen Absturz erinnern, aber mir geht es gut, ich habe keine Schmerzen mehr und war abends zu Hause noch mit dem Fahrrad unterwegs.

 

 

 

Kevin Gallas - HJM/TSG Hammelbach-Schlierbachtal 23./24.05.09

Letztes Update:
17.07.2009 20:12


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