Der Auftakt zu meiner SuperEnduro WM Premiere verlief alles andere als erwartet.

 An einer Weltmeisterschaft hatte ich bisher noch nicht teilgenommen. Und noch nie bin ich bei einem SuperEnduro Rennen gestartet. Die Entscheidung zur Teilnahme fiel sehr kurzfristig, richtig trainieren konnte ich dafür nicht. Entsprechend aufgeregt und neugierig sind wir nach Krakau gefahren. 

Die Stimmung vor Ort war grandios. Taddy Blazusiak, der polnische Lokalmatador, hatte kurz vorher seinen Abschied aus dem Profi-Sport verkündet, die SuperEnduro Runde in Krakau wurde ein Taddy-Festival. In der riesigen, ausverkauften Halle tobten die Fans, die Stimmung war unbeschreiblich. Ein Highlight, dabei gewesen zu sein.

Die Strecke war sehr anspruchsvoll. Riesensprünge, kurze steile Hindernisse und eine Matrix, die ihren Namen verdient: Aus den Baumstämmen hatten die Streckenbauer "TADDY" geformt. Das hieß, alle Baumstämme irgendwie schräg, ungleiche Abstände, man konnte nur schauen, wie man hin kam und dann irgendwie durch kommen.

Voll motiviert wurde ich gleich in der Einführungsrunde der Qualifikation böse ausgebremst. Ich wollte ein Baumstamm-Double überspringen. Doch der Sprung geriet zu kurz und ich krachte mit dem Unterboden auf den Baumstamm. Durch die brachiale Wucht sind beide Fußrasten gleichzeitig gebrochen. Ich konnte mich seitlich abfangen und einen Sturz vermeiden - aber ich verspürte einen wahnsinnigen Schmerz im rechten Fuß - die Diagnose zu Hause ergab, dass der rechte Knöchel zahlreiche Mikrobrüche erlitten hat und die Bänder angerissen und überdehnt waren. Aber das wußte ich zu dem Zeitpunkt ja noch nicht.

Ich dachte zunächst, jetzt ist die komplette WM gelaufen. Riesige Enttäuschung stieg in mir auf. Ich hätte heulen können - vielleicht habe ich es auch. Nicht einmal eine gezeitete Runde stand an der Tafel, und die Uhr tickte von den zur Verfügung stehenden 8 Minuten gnadenlos herunter. Tak - tak - tak ...

Aber ich hatte die Rechnung ohne Niko gemacht. Er hat in dieser schier ausweglosen Situation mit einer solch kaltschnäuzigen Ruhe zunächst ein paar Ersatzfußrasten organisiert. Wir hatten bisher noch nie Probleme mit Fußrasten... Ohne Federn montierte Niko irgendwie und provisorisch die beiden Fußrasten in rekordverdächtiger Zeit und unter den Augen der versammelten Werksteams, Journalisten und Zuschauer. Als er fertig war, zeigte die Uhr noch 2 Minuten. Ich spürte in diesem Moment keinen Schmerz, ich hatte vermutlich nur noch pures Adrenalin in meinen Adern und setzte alles auf eine Karte, in die eine noch mögliche Qualifikationsrunde. Als ich nach dem Zielsprung auf die Anzeigetafel schaute, konnte ich es nicht fassen: 3. Platz!!

Auch in der Session für die Startplätze konnte ich in der ersten Runde die drittschnellste Zeit fahren. Dabei beließ ich es, denn für eine zweite Runde wären die Schmerzen zu intensiv geworden. Bis zum Rennen kühlten wir den Fuß mit Ice Packs.

Im ersten von den drei Wertungsrennen erwischte ich einen ganz guten Start. Aber besonders die langen Sprünge machten mir bei der Landung Probleme. In der 2. Runde hatte ich dann einen üblen Crash. Danach schaute ich nur noch, wie ich irgendwie ins Ziel komme. Leider wurde es nur der 12. Platz, was mich nicht euphorisch stimmte.

Das zweite Rennen wird in der SuperEnduro WM mit umgekehrter Startreihenfolge gestartet. Für mich bedeutete das Start aus der zweiten Reihe. Ich hatte unerträgliche Schmerzen, wusste nicht, wie ich mich auf dem Bike halten sollte und stürzte mehrfach schwer. Mit großer Enttäuschung fuhr ich als letzter durchs Ziel. Platz 14.


(c) Daniel Szura Photography

Fürs dritte Rennen mobilisierte ich noch einmal alle Kräfte. Ich holte den Holeshot, fand gute Linien und versuchte, möglichst den rechten Fuß nicht zu belasten. Einbeinige Landungen sind zwar nicht meine Spezialität, aber diese Taktik hat sich bewährt. Ich konnte auf Platz 4 durch den Zielsprung fahren und war einfach nur glücklich.

Trotz der Verletzung konnte ich das drohende WM-Aus verhindern und habe sogar noch wertvolle WM-Punkte gesammelt. Dass ich noch Platz 4 im letzten Rennen erreichen konnte, damit hätte ich nicht mehr gerechnet.

Mein erster Dank geht heute an Niko Harass, der in einer einzigartigen Aktion das Unmögliche ermöglicht hat. Ohne seinen Einsatz hätte ich keine Chance gehabt, mich für die Hauptrennen zu qualifizieren. Team-Manager Dominik Rex hat mich "bemuttert" und mir immer wieder neue Icepacks besorgt, mich mit Infos versorgt und hat mit Niko zusammen alles Erdenkliche getan, um mich startklar zu halten. Dafür mein besonderer Dank - es ist ein beruhigendes Gefühl, so ein Team hinter sich zu haben. 

Allerdings wäre ohne meinen Hauptsponsor Grenzgaenger die Teilnahme an der SuperEnduro WM gar nicht möglich gewesen. Sehr kurzfristig sind noch Entscheidungen getroffen worden, als ich schon gar nicht mehr an die Teilnahme geglaubt habe. Alle haben Hand in Hand gearbeitet und alles organisiert, bis hin zu einem exklusiven Dekor für das neue Motorrad. Die Husqvarna 350 4-Takt kommt meinem Fahrstil auf solch schnellen kurzen Strecken sehr entgegen. 

Markus Haas von MH Motorräder hat die individuelle Abstimmung vorgenommen, Marko Prodan von Endurides hat mich mit wertvollen Tipps auf diese Riesenchance für mich eingestimmt.

Ich bin überglücklich, dass es mir gelungen ist, trotz dieser Verletzung wenigstens in der WM zu sein und die großen Erwartungen der ganzen Crew nicht komplett zunichte zu machen. Zu Hause muss ich jetzt erstmal die Diagnose abwarten und darauf hoffen, dass ich in Riesa Anfang Januar wieder fit bin.