Unbeschreibliche Emotionen im Ziel des Red Bull Harescramble 2017

Ich bin überglücklich: 2017 konnte ich den Erzberg zum ersten Mal bezwingen!

Vor 2 Jahren bestritt ich hier mein allererstes Enduro-Rennen überhaupt - viele hielten mich für komplett verrückt. Aber ich schaffte es damals, in Carl's Diner einzufahren. Dann war die Zeit um, und ich mit meinen Kräften total am Ende.

Letztes Jahr hatte ich in der Vorbereitung hart trainiert. Ich konnte Carl's Diner durchqueren, doch nach dem folgenden Checkpoint ertönte die Sirene, die das Rennen beendete.

Nach einer Verletzungspause letztes Jahr trainierte ich noch härter, noch intensiver, und zwar alles, was man trainieren kann. Ausdauer, Kraft, Kondition und Speed.

Erzberg-Rodeo - das ist ein mehrtägiges Spektakel, zu dem die Enduro-Elite aus der ganzen Welt eintrifft. In diesem Jahr gingen über 1.500 Fahrer aus 34 Nationen an den Start. In zwei Prologläufen werden die schnellsten 500 Fahrer ermittelt, die dann zum Start beim berüchtigten Red Bull Hare Scramble antreten dürfen. Die Prologstrecke war flüssig, die Bedingungen bestens. Durch die Regenfälle jeweils in der Nacht hielt sich die Staubentwicklung in Grenzen, die in den Vorjahren zu teils extrem gefährlichen Situationen geführt hatte.

Im ersten Prologlauf erreichte ich den 18. Platz! Und auch am zweiten Tag fuhr ich mit meiner Zeit in die erste Startreihe der besten 50 Fahrer.

(c) Sportograf

Ein Platz in der ersten Startreihe ist für das vierstündige Hauptrennen enorm wichtig. Die 500 Fahrer starten in 10 Reihen zu jeweils 50 Fahrern. Ich fühlte mich gut, ich fuhr hochkonzentriert, um ja alle Checkpoints zu treffen. Bis Checkpoint 5 war ich der beste Deutsche und stetig zwischen Platz 17 und 21. Die langen Hänge kam ich gut hoch, die kritische Schlüsselstellen wie "Kuckucksnest" und "Machine" konnte ich auch ohne nennenswerte Probleme passieren. Dann kam die Passage "Carl's Diner". Erstaunlich flüssig kam ich voran - sehr zum Leidwesen meines Mechanikers Niko Harrass, der in diesem Feld von mannshohen und willkürlich hingeworfenen scharfkantigen Felsbrocken zu Fuß kaum folgen konnte. Aber es gelang ihm trotzdem, mich zu motivieren, mich anzuspornen. Ich fürchtete um meine Maschine, die durch die langsame Fahrt nicht genügend Kühlung erhielt. Der zusätzliche Ventilator war ausgefallen, weil der Schalter beim Aufprall auf einen Felsen zerstört wurde. So kippten wir alles, was wir an Wasser hatten, bei jeder möglichen Gelegenheit über den Kühler, ein Überkochen zu verhindern.

(c) Kienle Photography

(c) Kienle Photography

Aber es ist ein ungutes Gefühl, wenn man nicht weiß, ob der sonst so zuverlässige Motor meiner Husqvarna 300 den Strapazen bis ins Ziel standhalten kann.

Nach knapp einer Stunde konnte ich "Carl's Diner" hinter mir lassen, ein Meilenstein. Und ich war immer noch in den Top 20. Die "Grüne Hölle" war noch einmal eine Herausforderung, denn die gerade mal reifenbreiten Trails waren durch die Fahrer vor mir abgefahren, kaum eine Kante, wo man auf dem feuchten, schlüpfrigen Boden noch Halt finden konnte. Als ich beim nachfolgenden Checkpoint auf die Uhr schaute, dachte ich zum ersten Mal daran, dass eine Zielankunft innerhalb der 4 Stunden möglich sein könnte.

Aber noch warteten "Dynamite" und "Lazy Noon" auf mich, die ich bisher noch nicht kannte. Von den Fernsehbildern der bisherigen Veranstaltungen wusste ich, dass sich hier in den Vorjahren rennentscheidende Dramen abgespielt haben ... Aber in beiden Schlüsselstellen habe ich eine gut fahrbare Linie gewählt. Die letzten Meter in Dynamite musste ich kämpfen, aber Lazy Noon bin ich in einem Zug bis ganz nach oben gefahren.

Mein Lazy Noon 2017:

 

Danke an Helm.Seelman570, der diesen Moment eingefangen hat.

Nun fingen die Glückshormone an, sich zu entfalten. Aber ich musste wachsam bleiben, denn die Strecke zurück ins Ziel bietet zwar keine spektakulären Highlights mehr, doch die Tücke liegt im Detail, in ganz kurzen, sehr steilen Kanten, fast hätte ich mich noch verfahren, doch dann sah ich den Ziel-Bogen vor mir. Ein unbeschreiblicher Moment, ein Sturm der Emotionen, die ganzen Strapazen der letzten Stunden waren vergessen - als ich von Karl Katoch die Flagge der "Finisher" entgegennehmen durfte.

Ganz besonders möchte ich mich bei meine Team Hill Climb bedanken. für die intensive Vorbereitung und die Unterstützung während dieser Tage. Mit Niko Harass erhielt das Team einen mental und praktisch für mich ganz wichtigen Pfeiler. Niko hat in der Vergangenheit schon Unmögliches möglich gemacht. Während dieses wichtigen Rennens  stand er mir an den wichtigen Stellen mit Rat und Hilfe und vor allem Wasser zur Seite.

Meinen Sponsoren gebührt natürlich ebenso ein großes Dankeschön. Ohne die Unterstützung durch meinem Hauptsponsor Grenzgänger, ohne die tatkräftige und kompetente Hilfe von MH Motorräder und Endurides by Marko Prodan könnte ich diesen Sport nicht betreiben und schon gar nicht an solchen Veranstaltungen teilnehmen.

DANKE DANKE DANKE - auch an die vielen bekannten und unbekannten Fans, die an der Strecke standen und mich unglaublich motivierten.

Ich freue mich schon auf nächstes Jahr :-)