Am vergangenen Wochenende stand das „King of the Hill“ im rumänischen Arad auf dem Plan.

Wir legten auf dem Hinweg einen Zwischenstopp in Kroatien ein. Mein Coach und guter Freund Marko Prodan erteilte mir u. a. einen Crash-Kurs im Umgang mit einem GPS-Gerät, weil das für das Rennen in Rumänen Pflicht war.

Ich war noch nie in Rumänien und deshalb sehr gespannt, was mich erwarten würde.

Von metertiefen und ebenso langen Schlaglöchern über verlassene Geisterstädte bis hin zu prunkvollen Villen direkt neben zahllosen LKW-Waschplätzen war alles zu sehen. An einem solchen Waschplatz wollten wir noch mein Bike putzen. Sofort sprangen 4 Mann herbei und machten sich zuerst in Windeseile über Bike, Stiefel und Helm her und brachten schlussendlich unseren ganzen Bus auf Hochglanz. Ein einzigartiger, für mich unbekannter Service, etwas Besonderes - die Freundlichkeit der Rumänen beeindruckte mich vom ersten Moment an. 

08.04.2016 - Prolog:

Für den Prolog war in der Innenstadt von Arad ein ausgewachsener Super-Enduro-Track aufgebaut - mit Hindernissen, Sprüngen, Reifen und sogar einer meterhohen Holzkonstruktion. Alles Dinge, die ich sonst nur aus Videos von der Super-Enduro-Weltmeisterschaft kannte. Absolutes Neuland für mich, doch von Anfang an sprühte ich vor Begeisterung. Seit ich das erste Mal von Super-Enduro gehört hatte, wollte ich das unbedingt einmal ausprobieren. Jetzt sollte ich die Gelegenheit haben! Ich habe mir vorher jeden Meter der Strecke genau angeschaut. Die Reifensprünge sowie die Hindernisse stellten keine große Schwierigkeit für mich dar. Jedoch gab es ein kniffliges Steinfeld, das sich im Laufe des Tages als schwierigste Passage herausstellen sollte. Gegen Ende der Runde bereitete mir ein ca. 4 m langes Feld einiges Kopfzerbrechen. Gefüllt war dieser Bereich mit vielen kleineren, lose liegenden Holzstämmchen. Eine tückische Stelle!

Doch ich schaffte es gleich in der ersten Runde, das komplette Holzfeld zu "überfliegen", was nur wenige Fahrer versuchten. Ich war happy, die Strecke lag mir, es war schönes Wetter, die vielen Zuschauer vor Ort motivierten und meine Husqvarna funktionierte perfekt. Beste Voraussetzungen für einen tollen weiteren Verlauf des Prologtags.

Nach der Gruppeneinteilung fand ich mich unter lauter Top-Fahrern wieder, allen voran der amtierende Super-Enduro-Weltmeister in der Junior-Klasse, Manuel Lettenbichler. Als erstes galt es, eine „Hotlap“ zu absolvieren, eine gezeitete Runde, die über den direkten Finaleinzug entschied. Es war brutal staubig, doch ich machte keine großen Fehler und konnte die Runde zügig durchfahren. Mit dem 7. Platz war ich für den Anfang zufrieden – die ersten 16 waren fürs Finale qualifiziert.

Langsam stieg die Aufregung. Der Finallauf sollte über 4 Runden gehen. Ich hatte keine Ahnung, ob ich den irren Speed so lange Zeit mitgehen konnte, da ich diese ‚sprints‘ noch nie trainiert hatte. Ich erwischte einen mäßigen Start, konnte aber trotzdem an ein paar Fahrern vorbeiziehen. Es gelang mir, meine Kraft etwas einzuteilen und durch saubere Linien und einige trialartige Aktionen einen unglaublichen 5. Platz einzufahren! Damit war ich sogar für das Superfinale qualifiziert, in dem die besten 6 Fahrer jeder Klasse noch einmal über 5 Runden gegeneinander antreten würden. Ich war aber jetzt schon mehr als zufrieden, da ich jede Menge Top-Fahrer bereits hinter mir lassen konnte.

Beim Start aus Reihe 2 erwischte ich im Super-Finale einen klasse Start. Am Ende der ersten langen, mit einigen Sprüngen gespickten Gerade, lag ich auf dem 3. Platz, direkt hinter Cyprian und Lettenbichler. Ich konnte ihren Speed mitgehen und traf die Linien perfekt. Leider blieb ich im Steinfeld hängen und so überholten mich einige Konkurrenten. Doch schnell fand ich meinen Rhythmus wieder und fuhr konstant schnell, bis mir gegen Mitte der 4. Runde einfach die Puste ausging. Mit dem 6. Platz und damit dem 6. Startplatz für den nächsten Tag war ich aber mehr als glücklich. Den Tagessieg holte sich, wie zu erwarten, Manuel Lettenbichler vor Philipp Bertl und David Cyprian. Um in deren Liga mitzuspielen, muss ich noch hart arbeiten...

09.04.2016 – Offroad-Day 1:

Am Samstag um 10.00 startete der erste Fahrer in den Tag, alle 15 Sekunden folgte ein weiterer. Ich war ziemlich gelassen, da ich mich auf das konzentrierte, was ich gelernt hatte, und mich nicht verrückt machen lassen wollte. Zunächst führte die Strecke den Berg hinauf, über einige Wiesen hinein in den Wald. Es standen über 70 Kilometer feinstes rumänisches Gelände an. Von endlosen Bachbetten, über steile Auf- und Abfahrten bis hin zu Felsschluchten war alles dabei. Ich kam sehr gut ins Rennen und lieferte mir die erste Stunde ein super Battle mit dem Schweizer Jürg Schütz, indem wir uns des öfteren gegenseitig überholten.

Leider machte ich einen gravierenden Fehler. Ich übersah die ziemlich schlecht angebrachte Markierung für die „Pro“-Strecke und bog falsch ab. Am Checkpoint sagte man mir, dass ich auf dem Irrweg war und zurück musste. Ich war ziemlich geknickt, kämpfte um die Motivation und machte mich auf den Weg zurück. Ich wusste weder, wo ich falsch abgebogen war, noch ob ich dem GPS oder den Markierungen trauen sollte. Das Resultat: über 15 Minuten verschenkte Zeit.

Wieder auf dem richtigen Weg, machte ich mich sofort daran, die verlorene Zeit aufzuholen. Doch dies gestaltete sich recht schwierig, da immer wieder Fahrer vor mir den Weg versperrten und ich somit manche Auffahrt erst im 2. Anlauf schaffte. Außerdem ist es ziemlich frustrierend, wenn man sich in einem Bachbett abkämpft und plötzlich ein Fahrer nebendran auf dem Weg vorbeifährt… Am Ende des Tages war ich 13. – nicht gerade das Ergebnis, was ich mir erhofft hatte, denn Top 10 war definitiv mein Ziel. Aber ich hatte ja noch einen Renn-Tag vor mir.

10.04.2016 – Offroad-Day 2:

Am Sonntag wartete ein etwa 20 Kilometer langer Rundkurs auf uns Fahrer, der in maximal 3 Stunden 4 Mal zu bewältigen war. Die eine Hälfte der Strecke bestand aus flüssigen und sehr spaßigen Single-Trails, die andere aus engen, sehr technischen Bachbetten, die mit einigen Gemeinheiten - wie einer sehr schweren Steinauffahrt , tiefen Löchern und in die Spur ragenden Ästen - gespickt waren. Auch eine ca. 100 m lange matschige Spalte bergauf war zu bewältigen.

Von Startplatz 13 aus konnte ich schon in der ersten Runde einige Fahrer überholen, obwohl ich mich nicht wirklich wohl fühlte. Ab Runde 2 aber kam ich in meinen Rhythmus und konnte pushen. Ich fand mich erneut mit Jürg Schütz zusammen und wir fuhren fast 2 komplette Runden miteinander, bis er mich schließlich überholen konnte. Etwa in der Mitte der 4. Runde stürzte ich schwer in einer Felsspalte – da war Jürg weg.

Im Ziel traf ich als 8. Fahrer ein, was mir auch im Gesamtklassement den 8. Platz einbrachte. Ich bin ziemlich glücklich, es nach dem etwas verpatzten zweiten Tag doch noch in die Top 10 geschafft zu haben.

Bis auf die schlecht markierte Strecke war das Event super! 3 völlig verschiedene Rennen an 3 Tagen, die die Vielseitigkeit der Fahrer fordern, Strecken, die fahrbar sind, aber dennoch die Spreu vom Weizen trennen und eine Organisation, die funktioniert. Ich kann das Rennen jedem empfehlen, der feinstes Extremenduro erleben möchte.

 

Ich bedanke mich bei meinem Team Hill Climb für ein tolles Rennwochenende in Rumänien sowie bei meinen Sponsoren, die mir mit tatkräftiger Unterstützung sowie all ihrem Know-How zur Seite stehen:

                 

Für mich stehen in den nächsten Wochen einige kleinere Rennen an, sowie der Auftakt zur Deutschen Cross Country Meisterschaft, bevor Ende Mai der Erzberg ruft…