3 Rennen - 2 Siege - einmal Dritter. Der dritte GP-Sieg in Folge. Und nur noch 4 Punkte fehlen zum Titel - ich könnte nicht glücklicher sein!

 Voller Vorfreude bin ich zur 4. Runde der MAXXIS FIM Superenduro Weltmeisterschaft nach Bilbao gefahren. Im Vorjahr hatte ich hier mein bestes Resultat in der WM eingefahren und so war ich voller guter Erinnerungen.

Der Track sah anspruchsvoll und sehr technisch aus - genau mein Geschmack. Im ersten Training testete ich die verschiedenen Möglichkeiten vor allem in den Steinfeldern. Ich nutzte die Chance für eine Hot Lap, die in meiner Gruppe von keinem Fahrer mehr unterboten wurde. Danach war mir allerdings klar, dass dieser Kurs der härteste und kräftezehrendste sein würde, den ich bisher bei der WM unter den Rädern hatte. In der zweiten Gruppe waren allerdings noch zwei Fahrer schneller: der Spanier Fernandez und Kyle Flanagan aus Südafrika, der ja bis hierhin mein "direkter" Verfolger in der WM-Tabelle war. 

So versuchte ich, im Qualifying noch eine Schippe drauf zu legen. Mit einer nahezu perfekten Runde konnte ich eine Fabel-Zeit vorlegen: 44,772 Sekunden, damit war ich mehr als drei Sekunden schneller als der Rest der Junioren. Und: Wenn man die Zeit mit denen der Prestige-Fahrer vergleicht, wäre ich damit auf Platz 8 gekommen, nur knapp an der Superpole-Teilnahme vorbei.

Mit einem guten Gefühl ging ich ins das Training für die Startreihenfolge. Nur nicht gewinnen - das war mein Ziel. Denn der Platz ganz innen war durch die Trackbegrenzung eingeengt - da wollte ich im zweiten Rennen keinesfalls stehen. Also fuhr ich eine schnelle Runde - und musste einige Zeit warten, bis der Pole Juszczak mich unterboten hat. Dabei blieb es dann auch - und ich war zufrieden.

Die Autogrammstunde ist ein besonderes Erlebnis für mich: der direkte Kontakt mit den Fans, die strahlenden Gesichter, wenn sie ein Autogramm, eine Karte oder ein Foto gemacht haben, das ist ein schönes Gefühl. Ich hoffe, das bleibt mir erhalten und wird nicht zur Routine oder gar lästigen Pflicht.

Die Spannung stieg unmerklich an - vor allem in der Box um mich herum. Immerhin bestand die theoretische Chance, dass ich bereits hier in Bilbao vorzeitig den Titel hätte sichern können. Aber ich versuchte, mich davon nicht beeinflussen zu lassen. Meine Vorbereitungen liefen wie gewohnt und ich stand konzentriert am Start zu Rennen 1. Ich kam gut weg und auch einigermaßen über das erste Hindernis. Dieses war vom Training schon sehr ausgefahren und nicht einfach zu nehmen. Als Dritter kam ich drüber. Bereits am Ende der ersten Runde hatte ich die Führung übernommen und konnte ungehindert mein Rennen fahren. Beim Überrunden versuchte ich, mich aus dem Gerangel heraus zu halten und fuhr lieber einen Bogen außen herum, wenn die Ideallinie "besetzt" war. Mit knapp 30 Sekdungen Vorsprung  auf Juszczak und 41 Sekunden auf Flanagan konnte ich das erste Finalrennen des Abends gewinnen - und meinen Vorsprung auf beide Verfolger weiter ausbauen. 

Das zweite Finalrennen war völlig verrückt. Als ich ans erste Hindernis kam, lagen die Fahrer vor mir über- und untereinander. Ich versuchte, einen Weg zu finden und verkeilte mich dabei mit zwei anderen. Bis wir die Maschinen auseinander sortiert hatten, war das Fahrerfeld schon fast wieder da. Als Letzter kam ich weg - so ein Mist, dachte ich. Ich fuhr wie entfesselt, und wurde schusselig. Hier ein Fehler, da ein Straucheln, und auf einmal lag ich im Steinfeld unterm Moped. Ich kam noch nicht einmal alleine wieder hervor, musste warten, bis ein Streckenposten herbei eilte und meine Husky anhob. Ich wieder drauf, weiter, weiter. Aber da kam mir plötzlich wieder in den Sinn, wie ich meine Rennen bisher gewonnen habe. Mit Ruhe und Konzentration, nicht mit Hudeln, Hetzen und Zwängen. Ich fand wieder in meine Konzentration, ich hetzte nicht mehr den anderen hinterher, sondern ich fuhr wieder meine Spuren, mein Rennen, meinen Rhythmus. Fahrer um Fahrer konnte ich ein- und überholen. Aber die unsaubere Fahrweise, die Stürze, das Abfangen immer wieder hatte Kraft gekostet - und ich bekam fürchterlichen Armpump. Aber aus dem Augenwinkel hab ich auch gesehen, dass sowohl Juszczak wie auch Flanagan mal zu Boden gingen. Also fuhr ich konzentriert weiter, so weit und so gut es meine Unterarmmuskulatur zuließen. Welche Position ich hatte, wusste ich zu diesem Zeitpunkt nicht. Hinterher habe ich dann gesehen, dass ich am Ende von Runde 5 schon auf Platz 7 war. In der nächsten Runde war im Steinfeld ein Stau, ich kam außen gut vorbei und lag an dritter Stelle. Nun wollte ich natürlich noch den Chilenen Diego Herrera und Theodor Kabakchiev aus Bulgarien einholen. Ich war bis auf 4 Sekunden an die beiden herangefahren - da wurden wir mit der schwarz-weiß-karierten Flagge abgewunken. Das Rennen war vorbei. Endlich konnte ich die Hände vom Lenker nehmen...

Ein bißchen Lockern, ein bißchen Reiben, dann ging das schon wieder. Aber verflixt nochmal, auf diesem Track kam es mehr denn je drauf an, sauber und fehlerfrei zu fahren. Nicht stehenbleiben, nicht rumwuchten müssen, nicht das Bike aus den Felsspalten ziehen müssen, nicht das Bike über steile hohe Hindernisse zwingen müssen. Das kostet nicht nur Zeit, sondern vor allem enorm viel Kraft. Dann leidet die Konzentration, dann passieren weitere Fehler - ein Teufelskreis, aus dem ich mich im zweiten Rennen zu spät befreien konnte. 

Naja, die Meisterschaft war nicht gefährdet durch den dritten Platz, aber mein Ego schon ein bißchen angekratzt. 

Im dritten Heat wollte ich es noch einmal allen zeigen. Ich konzentrierte mich voll auf den Start, kam sauber weg und als erster über diese ausgefahrene Dreier-Baumstamm-Kombination. Mit einem guten Vorsprung zum Rest konnte ich mich auf die Tücken des Parcours konzentrieren. Ich musste mich zusammenreißen, nur nicht übermütig werden, es kann so viel passieren bis zum Ziel. Schnell kam ich ans Überrunden, Fahrer um Fahrer kämpfte ich mich voran. Dann waren die 6 Minuten + 1 Runde um - ich hatte mein 9. WM-Rennen gewonnen - und dabei alle (!) Fahrer mindestens einmal überrundet. 

Mein dritter GP-Sieg in Folge - ich war mega glücklich. Dass ich den WM-Titel um 4 Punkte verpasst habe - naja, so bleibt ein Fünkchen Spannung bis zum Finale am Ostersamstag in Schweden erhalten. Ich werde mein Bestes tun, um auch die letzte Etappe bis zum Junioren-Weltmeister mit intensivem Training und Vorbereitung zu absolvieren.

 

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