Am Freitag, 20.04.2018 haben wir, meine Freundin Vivi und mein Freund Kevin, der bei der SuperEnduro WM mein Mechaniker war, uns aufgemacht in den Osten Deutschlands, zum ersten Lauf der Hard Enduro Series Germany nach Crimmitschau. 
 
 
Ich sollte die GoPro Onboard Lap fahren, das heiß,t eine Runde auf der Strecke mit einer laufenden Helmkamera, um den lokalen Medien eine kleine Vorschau sowie Eindrücke der Strecke vermitteln zu können. Es war einer der ersten super warmen Tage und bei rund 30 Grad ziemlich schweißtreibend, alles auszuladen und wieder einzuladen, nur um eine Runde zu drehen. Jedoch sparte mir das auch eine stundenlange Wanderung, um die Strecke zu besichtigen.
 
Als ich wieder von der Runde zurückkehrte, beriet ich mich mit den Organisatoren und Veranstaltern. Die Runde an sich war ziemlich okay, es war nur alles recht eng und es gab nur wenige Überholmöglichkeiten. Für den Prolog waren 90-120 min angesetzt, was ich bei dieser Hitze für zu viel hielt. Wir einigten uns darauf, zwei gezeitete runden zu fahren, von welcher die beste Runde für die Startaufstellung zählen sollte.
 
Danach ging es für uns zum örtlichen Mexikaner für ein gemütliches Abendessen und zum Einkaufen für den nächsten Tag.
 
RACEDAY:
 
Um 7:00 morgens hat unser Wecker geklingelt, ein schnelles Frühstück und ab zur Strecke. Die Anmeldung war am Vortag schon erledigt, Benni von X-Grip hat mir noch kurz die passenden Reifen und Mousse für die trockenen und schnellen Bedingungen montiert - dann ging es ab in den Park Ferme.
 
Beim Prolog startete ich als ca. Zwanzigster und konnte direkt in der ersten Runde eine fast fehlerfreie und recht zügige Runde fahren. Die zweite Runde habe ich gar nicht gefahren, da ich vorausgeahnt hatte, dass für die meisten Fahrer die unbekannte und knifflige Streckenführung eine Herausforderung sein würde und sich lange Staus bilden würden. Mit über 2 Minuten Vorsprung auf den zweiten Platz gewann ich den Prologlauf.
 
Für das Hauptrennen wurde mir die Ehre gewährt, die Zielflagge und alle anderen Fahrer zum Start zu geleiten, ähnlich wie dies beim Erzbergrodeo Karl Katoch zelebriert.
 
Durch meinen Prologsieg hatte ich die beste Startposition und konnte den Start auch gleich für mich entscheiden. Der Plan war, gleich vorneweg zu pushen und so viel Boden wie möglich gut zu machen in den ersten Runden, um danach ein dosiertes Rennen fahren zu können. Das ging jedoch gleich mächtig schief.
 
An der schnellsten Stelle des Rennens, oben auf einem schmalen Damm mit vielen Bodenwellen kam ich aus der Spur und verlor die Kontrolle. Auf meiner GoPro habe ich gesehen, dass ich vom Damm gestürzt und frontal gegen einen Baum geprallt bin. Erinnern kann ich mich an all das nicht. Ich kam zu mir, unter dem Motorrad liegend und konnte nicht atmen. Das hat mir echt Angst gemacht, da dieser Zustand fast eine Minute anhielt. Als ich wieder Luft bekam, saß ich erstmal einfach nur da und habe gehofft, jemand würde mir zu Hilfe kommen. Da die Stelle aber sehr weit weg vom Fahrerlager war und auch nicht von der Strecke einsehbarbar war, realisierte ich recht schnell, dass ich wohl auf mich alleine gestellt sein würde.
 
Ich machte mich daran, mein Bike vom Busch zu befreien und entschloss mich, die Runde weiterzufahren. Einige Minuten waren vergangen und ich hatte keine Ahnung, auf welchem Platz ich mich befand. Mir war eigentlich auch nur wichtig, dass ich keine ernsten Verletzungen hatte, das tiefe Einatmen tat mir die erste halbe Stunde noch ziemlich weh. Ich versuchte einfach, auf meinen Körper zu hören. Als nach der ersten Runde alles okay zu sein schien, entschloss ich mich dazu, alles zu geben, um die anderen einzuholen und das Rennen noch zu gewinnen.
 
 
Das war keine leichte Aufgabe, denn sowohl Robert Scharl wie auch Leon Hentschel, die im Prolog mit Rang 2 und 3 gezeigt haben, dass sie wohl die größte Konkurrenz darstellen werden, sind technisch durchaus in der Lage, jede Stelle der Strecke mühelos zu meistern und auch auf den schnelleren Passagen ordentlich Druck zu machen. Ich musste also „einfach“ überall eine Schippe drauflegen und meine Kondition in der brutalen Hitze ausspielen. Leichter gesagt als getan. Ich bin ca. 2 stunden absolut am Limit gefahren und war immer noch eine Minute hinter den beiden. Tankstopps musste ich zwischendurch auch einlegen, da mein Bike noch einen Vergaser hat und etwas mehr Sprit verbraucht als die Einspritzer. Als ich sie dann endlich vor mir hatte, gab ich alles,um mich sofort ans Hinterrad zu heften.
 
Aber als ich bemerkt wurde, erhöhten die beiden den Speed noch einmal für eine ganze Runde, sodass ich nicht vorbeikam. Nach ca. 2,5 Stunden hatte ich dann endlich genug Druck gemacht,  und die beiden ließen mich fair vorbeiziehen. Ich war heilfroh, kein waghalsiges Überholmanöver riskieren zu müssen, was bei der Geschwindigkeit auf einer solch engen strecke zu blöden Situationen führen kann. Ich konnte mich etwas absetzen, machte aber kurz darauf zwei blöde Fehler: Einmal blieb ich an einem Hang hängen und stürzte kurz nach einer Röhre. Leon konnte das ausnutzen und wir gaben für eine halbe Runde noch einmal alles, bevor ich mich erneut absetzen konnte. Ich war heilfroh, als ich nach 3 stunden endlich den Zielhang erklimmen konnte und die Zielflagge sah. 
 
 
Ich bin überaus stolz, nach einem solchen Crash die Nerven behalten zu haben, das Blatt noch zu wenden und die verlorene Zeit noch aufholen zu können. Auch meine Kondition war super, selbst wenn ich nach dem Rennen einige Minuten kurz vor dem Kollaps stand. Danke an Vivi und Kevin für den top Support, an mein Team und meine Sponsoren Grenzgaenger, MH Motorräder und Endurides by Marko Prodan. Danke auch an die Veranstalter und die Organisation für die Arbeit, das offene Ohr und den Drang, Deutschland eine geile Hardenduro Serie zu bieten! 
 
 
 
 
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