Nach einer turbulenten Vorbereitungsphase kam ich mit sehr gemischten Gefühlen in Porto an. Ich war zum ersten Mal bei dieser Veranstaltung, hatte schon viel davon gehört und war gespannt, was mich erwarten würde. 

Eines war von vornherein klar: Das Extreme XL Lagares ist das Auftaktrennen zur neuen WESS-Serie - World Enduro Super Serie. In dieser Serie sind die legendären Hard Enduro Rennen vertreten, aber auch schnelle Beach-Races. Jedes Rennen behält seinen eigenen Charakter. Und noch eines war mir klar: Bei diesem ersten Rennen würde nicht nur die Crème de la crème der Hard Enduro Szene, sondern auch die schnellen Enduro-Kollegen am Start stehen. Ein knappes Dutzend Werksfahrer und insgesamt nach meiner Einschätzung 18 Fahrer, die alle aufs Podium fahren können.

1. Tag - Enduro Cross:

Das Bike war in letzter Sekunde beschafft worden, es blieb keine Zeit für eine Testfahrt oder Umgewöhnung. 2 Runden freies Training auf dem Track - ich war nicht total glücklich, aber es ging. Allerdings war das Geläuf total trocken. Bis zum Nachtrennen setzte heftiger Regen ein, die Hindernisse wie auch der Boden wurde unberechenbar. Wer mich kennt, weiß ja, dass ich noch nie mit solchen Verhältnissen Probleme hatte, aber ich konnte in dem ersten und für das weitere Event entscheidenden Heat gar nicht so schnell reagieren, wie ich zu Boden ging. Mehrfach. Unglaublich - dass ich mit diesem Gewürge noch den 12. Platz erzielen konnte. Von Meter zu Meter konnte ich die Reaktionen und Verhalten von Kupplung, Gas und Bremse besser einschätzen und mich bis ins Finale qualifizieren. Dort erreichte ich als 4. Fahrer das Ziel - ich konnte es gar nicht fassen.


Fotos: Mihai Birca

2. Tag: City-Prolog Porto:

Die Kulisse im malerischen Hafenviertel von Porto war faszinierend. Die denkmalgeschützten Häuser in bunten Farben, im Hafen und auf dem Fluß tanzten die Boote auf dem gleißenden Wasser. Schon früh hatten sich zahlreiche Zuschauer eingefunden und säumten die Strecke. Beim Trackwalk konnte ich es kaum fassen, dass es möglich ist, solch eine Veranstaltung hier durchzuführen. Treppen auf, Treppen ab, verwinkelte Gässchen, unter den gespannten Wäscheleinen hindurch, Poller mitten im Weg, Stufen ragten in die Fahrbahn herein, die Zuschauer direkt am Geschehen.

Jeder Fahrer hatte einen Lauf, dessen Zeit zusammen mit dem ersten Lauf vom Vortag addiert wurde und die Startreihenfolge ergab. Ich kam am Start gut weg, fand die richtige Dosierung von Gas und Kupplung auf den extrem glatten und tückischen Steinpflastern. Ich fuhr, was ging, dachte schon, dass ich schnell war, aber hatte keinen Vergleich während der Fahrt. Im Ziel sah ich, dass ich eine Sekunde schneller als Taddy Blaszusiak war - und war erstaunt. Als der letzte Fahrer durch war, stand ich auf Platz 4! 

Die 10 schnellsten Fahrer gingen später in einem Finalrennen gemeinsam auf die enge Strecke. Ich stand ganz außen, kam gut weg beim Start, aber wurde nach außen gegen die Bande gedrängt. So musste ich mich hinter Walker und Bolt einreihen und hing diesen an den Fersen. Die Enduro-Cross Passage konnte ich fehlerfrei passieren und die nachfolgenden Fahrer auf Distanz halten. In den engen Gässchen war keine Chance zum Überholen, weder für mich nach vorne, noch für die Fahrer hinter mir. Also fuhr ich zwar zügig, aber nicht am existenziellen Limit. Auf den letzten Windungen über die Pontons im Hafenbecken legte ich nochmal einen Zahn zu - und kam als Dritter ins Ziel! Wow! Was für ein Gefühl - unbeschreiblich. Mein erstes Mal auf dem Podium in einem der großen internationalen Extrem-Enduros.

3. Tag: Hauptrennen:

Ich hatte in den Tagen zuvor einige Passagen des knapp 40 km langen Rundkurses zu Fuß abgelaufen. Ich wusste also im Groben, was mich erwarten würde: Flüssige Enduro-Passagen, sensationelle Sprünge, und schier endlose schlüpfrige Canyons und Flußläufe, die reichlich Wasser führten und einige Untiefen boten. Genügend Möglichkeiten, samt Bike gründlich baden zu gehen. 

Als 12. Fahrer ging ich auf die Strecke, kam gut los und konnte kurz danach 2 Fahrer überholen und auf Colton Haaker aufschließen. Wir kamen ungehindert und ohne Schwierigkeiten schnell vorwärts. Als wir die ersten Canyons erreichten, ging es los. Ein technischer Fehler reihte sich an den nächsten. Nach einer halben Stunde des Rennens war ich quasi mit einem sinkenden Schiff unterwegs und mein einziges Ziel war, eventuell noch die erste Runde zu überstehen und zum Servicepunkt zu kommen. Die zweite Runde musste ich schon abhaken. 

Nach ca. eineinhalb Stunden war die Tortur für die Maschine zu groß und ich musste sie abstellen. In voller Montur musste ich kilometerweit durch das unwegsame Gelände zum Paddock wandern - das war nach den erfolgreichen Prologtagen nicht da Ende meiner Lagares-Premiere, das ich mir erhofft hatte.

Alles in allem war es ein sehr lehrreiches Wochenende. Vor allem habe ich gesehen und gezeigt, dass ich nicht nur im Kreise der besten Junioren weltweit, sondern auch in die Phalanx der Werksfahrer hineinfahren kann - auch wenn ich nicht mein gewohntes und auf mich abgestimmtes Motorrad habe. 

 

Vlog - Blick hinter die Kulissen beim Extreme XL Lagares

 

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