Nach turbulenten Wochen bin ich voller Vorfreude nach Österreich gefahren. Das 24. Erzberg-Rodeo wartete darauf, uns Fahrer wieder einmal an unsere körperlichen und mentalen Grenzen zu bringen. Über 1500 Fahrer hatten das gleiche Ziel - Eisenerz in der Steiermark.

Nach meinem ersten Erzberg-Finish im letzten Jahr wollte ich dies zumindest wiederholen. Mein erster Prolog-Lauf war nicht lupenrein, aber den Startplatz am Sonntag in der ersten Reihe hatte ich sicher. Ungefähr 12 km führt die schnelle Schotterpiste über die Steinbruchtrassen hinauf zum Erzberg-Gipfel. Grosse Hindernisse oder schwierige Geländepassagen gibt es keine, man muss nur höllisch aufpassen, dass man in den Staubfahnen die aufgeschütteten Wälle richtig einschätzt und halt möglichst schnell um die Kurven kommt. Im zweiten Prologlauf fuhr ich fast auf die Sekunde die gleiche Zeit, obwohl die Strecke nach den ganzen Durchfahrten des ersten Tages ziemlich ramponiert war.

Der Startplatz in der ersten Reihe unter den Top 50 ist enorm wichtig. Bei trockenem Wetter entwickeln sich mächtige Staubfahnen, die die Sicht stark einschränken und man nicht mehr die volle Geschwindigkeit fahren kann.

Ich kam mit den ersten Fahrern um die überdimensionale Red-Bull-Dose und die ersten Hänge hinauf. Aber an einem der langen Steilhänge hatte ich gleich richtig Pech: ein anderer Fahrer über mir scheiterte und fiel auf mich herunter. Ich musste meine Auffahrt abbrechen, wieder hinunter und neuen Anlauf nehmen. Etwas weiter noch einmal ein ähnliches Mißgeschick: Ein anderer Fahrer musste seine Auffahrt abbrechen, stellte sein Motorrad quer um nicht zu stürzen - aber mir genau in meine Bahn. Auch hier musste ich abbrechen und mit neuem Anlauf dann den Hang überwinden. Dies hat mich viel Zeit und vor allem Plätze gekostet.

Ich versuchte, ruhig zu bleiben, meinen Rhythmus zu finden und nach und nach mir die Plätze zurück zu erobern. Die Checkpoints haben ja teils lustige, teils furchteinflössende Namen, die aber alle irgendwie den Charakter des Streckenabschnitts treffend beschreiben: Wasserleitung, Badewanne, Kuckucksnest, Zumpferlwald, Machine, Grüne Hölle und Dynamite zum Beispiel. Carl's Dinner hat eine zweifelhafte Berühmtheit erlangt. Der Name stammt aus Zeiten, wo Karl Katoch persönlich den Fahrern noch einen Snack oder eine Banane reichte. Die Steinpassage scheint unüberwindbar, kein Weg erkennbar. Riesige Felsbrocken liegen kilometerlang wild übereinander. Unzählige Spalten und Ritzen können zum Knochenbrecher werden oder sich das Bike darin verkeilen. Mit den sommerlichen Temperaturen wurde Carls Dinner noch unmenschlicher, denn die dunklen Steine reflektierten die Hitze wie eine zusätzliche Heizung, was die Bedingungen noch unmenschlicher machte.

Ich versuchte, möglichst effizient und kräfteschonend Carls Dinner zu passieren. In solchem Gelände kommt mir meine jahrzehntelange Trialerfahrung zugute. So konnte ich einige Fahrer überholen - bis am Ende von Carls Dinner die Probleme mit dem Bike begannen. 

Mir ging in immer kürzeren Abständen der Motor aus. Dann war es nur noch Starten, Gas geben, Aus. Ich hatte nur noch die Chance, mich diesem Takt anzupassen. Fahren konnte man das nicht mehr nennen, an jedem Hang ging es einen Meter rauf, dann rutschte ich wieder 2 Meter runter, während ich zuschauen musste, wie die anderen Fahrer mühelos hochpreschten. Ich schob, zog und drückte die Maschine unermüdlich vorwärts, bis ich als 19. Fahrer (von 23) doch noch das Ziel erreichte - völlig ausgepumpt und total enttäuscht, denn ich hatte mir mehr vorgenommen. 

Die Freude darüber, dass ich zum zweiten Mal in Folge den Erzberg bezwungen habe, kommt jedoch langsam durch. Vor allem, weil ich sehr dankbar bin, dass Marcus Haas / MH Motorräder und Marko Prodan / Endurides mir in aller Kürze ein wettbewerbsfähiges Bike und die komplette Ausrüstung zur Verfügung gestellt haben. Elektronische und technische Probleme gehören dazu, nur wenn alles optimal zusammenpasst, kann man beim härtesten Endurorennen der Welt ganz oben stehen. 

 

 

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