Wenn ich außerhalb der Trialszene irgendwo gefragt werde, welchen Sport ich betreibe und ich dann "Trial" oder "Motorrad-Trial" sage, dann blicke ich zunächst in große, erstaunte und fragende Augen und dann kommt meist die Antwort: "Ach so, Motocross!"

Um es gleich vorweg zu sagen: Mit Motocross hat der Trialsport überhaupt nichts zu tun. Und auch mit den anderen Motorsportdisziplinen nur sehr wenig, da es beim Trialsport überhaupt nicht um Geschwindigkeit geht. Allerdings ist Trialfahren ein idealer Einstieg und Anfang für alle Motorsportarten.

Bei wissen.de steht z. B. im Lexikon: Geschicklichkeitsprüfung im Motorradsport, wird in schwierigem Gelände gefahren (Steilhänge/Wasserdurchfahrten); gewertet werden Fehler (Abstützen mit dem Fuß, falsches Fahren bei Hindernissen u. ä.), nicht die Zeit.

Das ist eine kurze und knappe Definition - ich möchte sie um den Hinweis ergänzen, dass es auch Auto-Trial, Fahrrad-Trial, Truck-Trial, Quad-Trial, ja sogar Vespa-Trial gibt.

Es gibt einige Beschreibungen im Internet, und ich versuche hier, diese möglichst knapp und doch umfassend zusammen zu fassen:

Trial ist Geschicklichkeitsfahren über Stock und Stein, bei dem man die Füße nicht auf die Erde setzen darf. Es kommt nicht auf Geschwindigkeit an, es ist kein Kampf Mann gegen Mann, sondern jeder Fahrer versucht, Sektion für Sektion mit dem Motorrad fehlerfrei zu bewältigen - einer nach dem anderen. Für den Zuschauer sieht das akrobatisch, spektakulär aus, wenn das Vorderrad über die Hindernisse gehoben wird, wenn Geröllfelder durchfahren, oder hohe Hindernisse aus dem Stand und ohne Anlauf angesprungen und überwunden werden. Physikalische Gesetze scheinen außer Kraft gesetzt zu werden, wenn der Fahrer mit seiner Maschine zu einer funktionierenden und kraftvollen Einheit wird, um Steilhänge zu erklimmen und in schier unwegsamem Gelände vorwärts zu kommen.

Beim Trial kommt es vor allem auf die richtig koordinierten Körperbewegungen an, die feinfühlige Gashand muss im richtigen Moment die exakt dosierte Motorleistung steuern, die physikalischen Gesetze müssen überlegt ausgenützt werden - damit die gestellten Aufgaben möglichst fehlerfrei bewältigt werden können. Dass dazu viel Kraft und Ausdauer, also eine sehr gute körperliche Kondition vonnöten sind, versteht sich von selbst.

Ein Wettbewerb geht meist über 3 - 4 Runden; jede Runde besteht aus 7 - 12 Sektionen. D. h. also im Schnitt 30 - 32 Prüfungsabschnitte, die nacheinander durchfahren werden müssen. Lizenzfreie Trials dauern meist ca. 4 Stunden, bei Lizenzwettbewerben wie der Deutschen Meisterschaft gilt eine Gesamtfahrzeit von 6 Stunden.

In den Sektionen sind die "Spuren" für die einzelnen Leistungsklassen durch verschiedenfarbige Pfeile markiert. Wer in der grünen Spur fährt, darf auch nur durch grüne Tore fahren, davon aber keines auslassen.

Befahren darf man die ausgesteckten Sektionen vorher nicht, es gibt keine "Trainingsrunde" o. ä. Aber man darf die Sektion vorher zu Fuß ablaufen. Dabei prägt man sich jeden Stein, jede Wurzel möglichst ein, überlegt und schätzt ab, wie man welches Hindernis wohl am besten passieren kann. Begleitet wird man normalerweise von einem "Wasserträger", das ist der/die mit dem Rucksack, in dem - je nach Länge der Strecke - Verpflegung und eine Minimalausrüstung an Werkzeug und Ersatzteilen mitgeführt wird.

Idealerweise ist der Wasserträger aber mehr: ein Minder, eine Person des Vertrauens, jemand, der genau weiß, was ich fahren kann und wo ich noch Schwierigkeiten habe, jemand, der selbst möglichst besser fährt als ich und der mir professionelle Tipps geben kann, wie ich um oder über die Hindernisse herum komme. Möglichst kräfte- und materialschonend. Wenn der Minder dann noch mein Naturell richtig einschätzen und bremsen oder pushen kann im richtigen Augenblick, wenn der Minder also Wasserträger, Mechaniker, Trainer, Top-Fahrer, Psychologe, Psychoanalytiker, Krankenschwester, Motivationstrainer - also die eierlegende Wollmichsau in einer einzigen Person ist, dann, ja dann ist der Weg zum Erfolg fast schon programmiert... ;-)

Auf der sogenannten Rundenkarte werden die jeweiligen Strafpunkte an jeder Sektion "geknipst". Am Ende jeder Runde wird die Karte abgegeben, meist das Ergebnis in einer Rundentafel aufgelistet, und am Ende des Wettbewerbs ist derjenige Sieger, der die wenigsten Strafpunkte "gesammelt" hat.

Trial ist die ideale Motorsportart, um Kindern und Jugendlichen einen spielerischen und lustvollen Umgang mit einem Kraftfahrzeug zu ermöglichen und gleichzeitig einen verkehrserzieherischen Einfluss auszuüben. Darüber hinaus wird das technische Interesse bei Kindern und Jugendlichen geweckt und Lernprozesse kommen in Gang, die Einsicht in den umfangreichen Funktionsablauf eines Kraftfahrzeugs gestatten und somit über die spezielle Technik eines Trialmotorrades hinaus gehen. Trial wird nicht nur "aus geschichtlicher Sicht" als Wiege des Motorradsports" bezeichnet, sondern es wird in diesem Sport ein fahrtechnisches Wissen und Können vermittelt und verlangt, das den soliden Grundstein für praktisch jeden Motorsport legt. Ein Trialfahrer ist in anderen Motorradsportarten vielleicht nicht gleich der Schnellste, aber einer der Sichersten und Umsichtigsten, weil der durch seine Trialpraxis alle Fahrtechniken kennt und das Gelände entsprechend "lesen" kann.

Ich habe mit vier Jahren angefangen - und es nicht bereut. Auch für den sicheren Umgang mit dem Fahrrad hat sich das Trial-Training sehr positiv ausgewirkt. Ich trainiere ja auch mit dem Trialfahrrad, deshalb fühle ich mich sowohl im Gelände mit dem Trialbike als auch im Straßenverkehr sicher im Umgang mit meinem Mountainbike.

Bei der Pflege und Wartung meiner Maschine bin ich mit von der Partie. Putzen, Luftfilter wechseln, Kette schmieren - das gehört seit einiger Zeit zu meinem Part. Vergaser sauber machen, aus- und wieder einbauen, das macht im Moment noch mein Papa. Aber ich war schon oft dabei und auch bei größeren Reparaturen habe ich mitgeholfen und Einblick gefunden.

Inzwischen sind auch die ersten Trial-Motorräder mit Elektromotor entwickelt worden. Das ist eine feine Sache, lautlos und umweltfreundlich, wenn der Strom z. B. durch Sonnenkollektoren erzeugt werden kann. Vielleicht schaffen es die Ingenieure, in Zukunft auch wettbewerbsfähige Elektromotoren zu entwickeln - wer weiß?

 

 

 

 

 

 

Kevin Gallas - Was ist Trial?

Letztes Update:
17.07.2009 20:20